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Montag, 22. September 2014

Der 22. September

Außerdem ist es, wenn ich die alte Geschichte erwähnen darf, der Jahrestag meiner Ankunft mit dem Fass in Esgaroth am Langen See; obwohl ich die Tatsache, dass es mein Geburtstag war, damals vergessen hatte. Ich wurde nämlich erst einundfünfzig, und in diesem Alter sind Geburtstage noch nicht so wichtig. Das Bankett allerdings war großartig, obwohl ich zu der Zeit eine böse Erkältung hatte, wie ich mich erinnere, und nur "vülen Donk" sagen konnte.


Auf Bilbo & Frodo - mögen sie ewig leben!

Mittwoch, 30. April 2014

Hex Hex

1. Akt

März. Am späten Abend. Drei Frauen sitzend an einem Tisch mit Büchern, jede mit einem Kalender in der Hand.
 
Frau O.: Wie wäre es mit dem 30. April fürs nächste Kränzchen?
Frau K.: Vor dem Feiertag, schön, da kann ich auch.
Frau D.: Walpurgisnacht?! Kein Problem, ich kann auch. [lachend] An dem Abend sollten wir über Hexen in der Literatur sprechen.
Frau O., inspiriert durch die Lichter der an- und abfliegenden Flugzeuge am nahen Frankfurter Flughafen: Soll ich für Eure Besen eine Landebahnbefeuerung im Balkonblumenkasten einrichten?
Frau K. / Frau D.: Natürlich!
 
 
 
2. Akt
 
Am 30. April. Frühmorgendlicher E-mail-Austausch.
 
Frau O.: Liebe Literatanten, heute abend um 19 Uhr bei mir. Ich freue mich!
Frau D.: Ich  mich auch. Hast du denn den Besenlandeplatz schon vorschriftsmäßig beleuchtet?
Frau K.: Und nicht nur ein Kerzchen, Leuchtfeuer wird erwartet!
Frau O.: Selbstverständlich ist für Beleuchtung und auch Frauenparkplätze im Besenparkbereich gesorgt! Ich hab auch an Bier gedacht.
Frau K.: Na, Frau D., da schauen wir mal. Beim letzten Mal mussten unsere Besen auch am Straßenrand an eine Laterne gebunden werden. Meiner ist jetzt noch traumatisiert.
 
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Man darf auf die Ereignisse des heutigen Abends gespannt sein. Kein Wunder, dass ich dieses Literaturkränzchen so sehr mag.
 

 

Samstag, 26. Oktober 2013

Der Mörder ist immer der Gärtner

Oder auch nicht.
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Jedenfalls nicht am letzten Wochenende, als sich das Literaturkränzchen aufmachte, in der gefährlichen, wilden Eifel auf Mörderjagd zu gehen. Vor einiger Zeit hatte Frau O. einen runden Geburtstag zu feiern und bekam als Gemeinschaftsgeschenk diese Mörderjagd anverehrt, im Rahmen eines Wochenendes im Krimihotel in Hillesheim, mit gutem Essen und die geistige Leistung unterstützenden Getränken.
 

 
So eine mörderische Aufgabe kann man nicht alleine angehen, und daher "opferten" die beiden anderen Damen des Literaturkränzchens vollkommen uneigennützig ein Wochenende und fuhren mit Frau O. nach Hillesheim. Bereits die Anreise trainierte ein wenig den detektivischen Spürsinn, denn wegen diverser gesperrter Autobahnabfahrten musste ungeplant quer durchs Eifelland "über die Dörfer" gesteuert werden. Das klappte problemlos: ein gutes Omen also für den nächsten, kriminalistisch anspruchsvollen Tag.
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Die Zimmer im Hotel sind höchst individuell eingerichtet, jeweils nach einem Krimithema. Der Raum, den ich mit Frau K. teilte, hieß "Der Tod auf dem Nil" und verfügte folgerichtig über ein Riesenbild mit einem grübelnden Hercule Poirot vor den Pyramiden und einen echt kolonial-britischen Tropenhelm an einer Garderobe aus Rattan. Nur der bedruckte Duschvorhang erinnerte weniger an Agatha Christie als an Alfred Hitchcock ...
 
 
Frau O. wohnte im "Schwedenkrimi"-Zimmer mit Plüschelch-Jagdtrophäe überm Bett, Filmplakaten mit dem Bild von Stieg Larssons Lisbeth Salander an der Wand und einem Fensterrollo, das eine nordische Landschaft hinter Gitterstäben zeigte. Eine schwedische Gardine also.
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Auf einem kleinen Rundgang durchs Städtchen entdeckten wir eine imposante Burgruine, nette kleine Läden und zahlreiche Hinweise auf den Status Hillesheims als "deutsche Krimihauptstadt". Im Kriminalhaus beispielsweise könnte man ganze Tage verbringen - gemütliches Café und Bibliothek unter einem Dach. Bis man sich durch die ca. 27.000 Bücher gelesen hat, muss man eine Menge Kaffee konsumiert haben.



Das Zentrum des Verbrechens war Hillesheim in der Tat am Samstag ab 10 Uhr. Pünktlich wurde der Mord begangen (der, wie sich herausstellte, nur die Folge eines anderen Mordes war), und die Ermittlungen kamen in Gang. Den ganzen Tag waren diverse Grüppchen von Leuten damit beschäftigt, Zeugen, Verdächtige und verdächtige Zeugen zu befragen, Akten zu lesen und Tatortfundstücke zu begutachten. Aus alldem wurden Theorien entwickelt, heftig diskutiert, wieder verworfen und neu entwickelt. Frau O., Frau K. und ich hatten gegen Mittag eine Arbeitshypothese aufgestellt, wie die beiden Morde zusammenhingen und wer sie begangen hatte. Nach der Mittagspause nahmen wir nochmalige Zeugenbefragungen vor zwecks Verifizierung bzw. Widerlegung unserer Hypothese. Wir waren uns schon ziemlich sicher, wer es war, aber das entscheidende, stützende Indiz entdeckte Frau O.: einen Ring, den Opfer Nr. 1 auf einem Bild an seiner Halskette trug und der jetzt am Finger unseres Lieblingsverdächtigen steckte. Der war tatsächlich der Mörder, und wir ernannten Frau O. zu unserer Kriminalhaupt- und Höchstkommissarin. Das musste natürlich angemessen gefeiert werden: abends stießen wir mit Rotwein (Frau K.), Weizen (Frau O.) und Kölsch (ich) an. Aber nicht zu heftig, schließlich wollten wir unsere fünf Sinne beieinanderhalten, damit das alte Filmplakat im Hotelflur nicht noch Wirklichkeit würde:

 
Fazit: ein sehr gelungenes Wochenende mit Denksportaufgabe, sehr gutem Essen, megageilem Wetter (Glück gehabt!) und jeder Menge Spaß. Hillesheim, wir kommen wieder!


 

Donnerstag, 2. August 2012

Sex and the Garden

Beim zwölfigsten (ich hab den Überblick verloren) Literaturkränzchen erschlossen sich vorher völlig unvermutete Zusammenhänge von Telefonsex und Gartenarbeit.

Die Büchertanten trafen sich diesmal bei Frau K., der erst einmal ausgiebig Zuspruch geleistet wurde, war sie doch vor etwa zwei Wochen mit dem Fahrrad gestürzt und hatte sich den linken Arm gebrochen sowie das linke Handgelenk angeknackst. Natürlich kann und darf sie mit der linken Hand nun gar nichts tun, und sie nutzte dafür ausgiebig die rechte Hand, um gestenreich von ihrem derzeitigen zwangsentschleunigten Lebenswandel zu erzählen und dem Trick, wie man mit nur einer Hand eine Hose anzieht (zuallererst legt man die engen Hosen beiseite und entscheidet sich für ein etwas bequemeres Modell, zieht die Hose mit einer Hand bis über den Hintern, legt sich dann flach auf den Boden, klebt mit einem Pflasterstreifen die Knopflochseite des Hosenbunds auf den Bauch und kann dann den Reißverschluss hochziehen und den Knopf schließen. Das mit dem Pflaster finde ich übrigens eine geniale Idee!). Auch dass es mit halb so vielen Händen wie normal ungefähr viermal so lange dauert, Wäsche aufzuhängen, blieb nicht unerwähnt, ebenso die Tatsache, dass Frau K.s Gemüsebeet momentan eher ein Vogelmierebeet ist.

Nach solcherart Bulletins sprachen wir - o Wunder - über Bücher. Frau O. liest sich zur Zeit durch die Krimireihe mit Dr. Siri als Ermittler und äußerte sich so angetan, dass ich die Bücher auf meine virtuelle Leseliste gesetzt habe, Frau K. hat gerade einen Krimi mit indischem Privatdetektiv, der in Delhi ermittelt, ausgelesen (ich wünschte, ich könnte mich an den Titel erinnern, aber ich bin eine alte Schabracke über vierzig und weiß es nicht mehr), und ich habe den Damen den Autor Matt Beynon Rees ans Herz gelegt, dessen Buch "Der Verräter von Bethlehem" mich als Krimi zwar nicht vom Hocker reisst, aber der es schafft, schon auf den ersten 20 Seiten ein so farbiges Bild der vielen Gruppen und Grüppchen - israelische Armee, Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft, alteingesessene Bethelemer aller Glaubensrichtungen, palästinensische Flüchtlinge, christliche Araber, Islamisten, gewöhnliche Kriegsgewinnler - und ihrer widerstreitenden Interessen zu zeichnen, dass es ein ganzes Seminar zur Nahostpolitik ersetzen könnte. Bei Frau K. rannte ich da offene Türen ein, ein Griff ins Bücherregal, und sie drückte mir Band 2 der Reihe in die Hand. Der spielt in Gaza, und ich bin gespannt.

Irgendwie kamen wir über Hörbücher zu Krimiverfilmungen zum aktuellen Fernsehprogramm. Frau O. berichtete, am Vortag zufällig in den Film "Süperseks" über eine türkische Telefonsexhotline gezappt zu haben, den sie sehr schätzt und dann naürlich auch wieder geguckt hat. Die Schilderung einiger Filmszenen löste wiederum bei Frau K. einen Geistesblitz aus: wenn sie wieder fit und endlich die überfällige Gartenarbeit zu erledigen in der Lage sei, könne sie dabei doch mit einem Nebenjob als Telefonsexerin ein bisschen Geld verdienen, schließlich sei doch Gartenarbeit sehr inspirierend: Spaten in den Boden stechen ("tiefer! tiefer!"), ständig bücken zum Unkraut jäten ("ouuuuueeh! stöhn! uuuuuh!!!") und schließlich Möhren und Kartoffeln ernten ("Komm schon, du Drecksstück!").

Ich sag Ihnen, man macht was mit, bei solchen Kränzchenschwestern.

Freitag, 29. Juni 2012

Im Gasthaus zum Grünen Drachen

... oder so ähnlich.  Auf dem Rückweg von Portsmouth statteten wir in Southampton dem Pub "The Hobbit" einen Besuch ab. Dass eine solche Kneipe überhaupt existiert, wussten wir aus deutschen Zeitungen: vor ein paar Monaten nämlich war die Kneipe, die seit 20 Jahren so heißt und auch seit 20 Jahren Cocktails mit Namen wie "Gandalf" und "Frodo" verkauft, ins Visier der amerikanischen Filmfirma und Rechteinhaber an den Werken Tolkiens geraten. Das führte zu ungeahnter Popularität der Kneipe, Solidaritätsadressen prominenter Schauspieler inklusive mehrerer Hauptdarsteller der aktuellen "Hobbit"-Verfilmung, darunter Ian McKellen - Gandalf himself also! -  sowie dazu, dass wir den Pub auf unsere Besuchsliste für die England-Reise setzten.


Würde ich in Southampton wohnen, könnte das durchaus meine Stammkneipe werden. Eine gemütliche Höhle mit allerlei Reminiszenzen zu Tolkiens Büchern und Hobkobold-Bier aus dem Zapfhahn. Die Wirtin berichtete, seit dem Auftrieb mit der angeblichen Rechteverletzung hätte sie schon einige Gäste wie uns gehabt, die dadurch auf die Kneipe aufmerksam wurden und einfach mal vorbeikamen, um ein Bier zu trinken, sich den Laden anzusehen und über diese amerikanischen Anwälte aufzuregen.



Mittlerweile sieht die Wirtin die Sache wieder entspannt, durch das große Medienecho und die Kritik verunsichert, ist die Filmfirma zurückgerudert, und das Pub darf für eine nominelle Lizenzgebühr von, wenn ich mich richtig erinnere, 60 $ pro Jahr den Namen behalten. Man diskutiert wohl nur noch über einige Graffiti im Biergarten des Pub, die angeblich den Film-Orks zu ähnlich sehen. Über die zu vermutende charakterliche Ähnlichkeit zwischen gierigen Anwälten und Orks wurde nicht gesprochen, das hab ich nur bei mir gedacht.

(Fortsetzung folgt).

Mittwoch, 8. Februar 2012

Katzen & Literatur ...

... gehören natürlich untrennbar zusammen, sind aber manchmal doch nur eingeschränkt kompatibel:


Im nächsten Moment kam die Pfote des Todes und schubste das Buch weg. Leider hatte ich eine Hand zu wenig, um das auch noch zu fotografieren. Den Platz des Buches nahmen anschließend gut 5kg rötlicher Pelz ein, ohne lesbare Beschriftung, dafür schnurrend und kuschlig warm. Manchmal setzen sich die Prioritäten halt von selbst!

Montag, 30. Januar 2012

Rührei aus der Mikrowelle

... gab es dann doch nicht. Aus Termingründen fand das Literaturkränzchen diesmal an einem Sonntag statt, im Rahmen eines sehr üppigen Brunchs.


Unsere E-mail-Anfragen, ob wir etwas zum Essen beisteuern sollten, damit die Vorbereitungsarbeiten nicht nur an einer Person hängenblieben, hatte die Gastgeberin mit dem Witz gekontert, so ein Rührei sei doch in der Mikrowelle schnell gemacht. Der mitlesende Ehemann nahm die Sache ernst und geriet darob in Sorge, sowas gehe doch nun wirklich nicht, das schmecke doch nicht und könne man niemandem anbieten. Der Arme hat sich natürlich eine Menge Spott anhören müssen, aber auch viel Lob, denn am frisch zubereiteten Rührei mit knusprigem Speck war nichts auszusetzen.  








Plötzlich drehte sich das Tischgespräch um Zahnpflegegewohnheiten, wann, wie oft, wie lange eigentlich die Zähne geputzt werden sollten und wie das so in der Realität aussieht. Frau K. wunderte sich dann auf einmal, wie um Himmels willen wir denn nun auf dieses Thema gekommen waren. Die versammelten Kurzzeitgedächtnisse funktionierten einwandfrei, und die Rekonstruktion der Gesprächskette möchte ich der Nachwelt nicht vorenthalten: Man sprach über den Kater der Gastgeber, der gerne Nachbars Hund besuchen geht. Bei diesem handelt es sich um einen Yorkshire-Terrier mit einer Kieferfehlstellung, einem Überbiss nämlich. Die Nachbarn hatten das Viech adoptiert, weil der Züchter es wegen dieses Defekts sonst hätte einschläfern lassen. Frau O. fühlte sich bemüßigt, anzumerken, auch sie habe als Kind einen Überbiss gehabt; zum Glück hat niemand damals erwogen, sie einschläfern zu lassen man hat ihr damals eine Zahnspange verpasst, die später zu Schäden an den Backenzähnen führte. Frau S. und Frau K. berichteten Ähnliches von ihren Kindern, und so landeten wir beim Zähneputzen.  
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Über Bücher haben wir dann tatsächlich auch noch gesprochen. Jahreszeitenangepasst über Karneval in der Literatur. Die meisten Bücher zu diesem Spezialthema dürften wohl in Venedig angesiedelt sein, aber den ein oder anderen Mainzer Regionalkrimi gibt es auch. Und natürlich von Rosendorfer die "Neuen Briefe in die chinesische Vergangenheit", wo der Held Kao-Tai mitten im Kölner Karneval landet und sich niemand über seine Mandarin-Gewänder wundert, sondern sie im Gegenteil für eine besonders gelungene Verkleidung hält. edit: Frau O. weist zu Recht darauf hin, dass "Die Fastnachsbeichte" von Zuckmayer ebenfalls genannt wurde - hiermit ins Protokoll aufgenommen.


Der Kater machte schließlich sehr deutlich, dass Gespräche über Zahnpflege und selbst über Bücher für ihn persönlich uninteressant seien und man doch bitte diese blöden Blumen, von gedankenlosen Menschen vom übervollen Tisch auf die Fensterbank ausgelagert, entfernen möge, damit er sich wie gewohnt ausstrecken und seinen Fensterbrettmittagsschlaf genießen könne. Dabei wollten wir ihn nicht stören und lösten nach ziemlich genau 3 Stunden Daueressen die Runde auf.
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Aufs nächste Kränzchen freue ich mich schon, es darf aber ruhig weniger Kalorien haben!

Dienstag, 25. Oktober 2011

Tod einer Leiche

Das neunte Literaturkränzchen stand mehr im Zeichen des Hörens und Sehens als des Lesens. Die aktuellen Hörbücherlisten der Damen O. und S. wurden durchgegangen - dazu sag ich nix, ich höre keine Hörbücher. Bücher muss ich anfassen können. Vor dem Urlaub zum Beispiel hatte ich mir versuchsweise das neue Buch von Wladimir Kaminer als E-book zugelegt, weil ich dachte, so kleine Geschichten müssten sich doch auf dem Bildschirm gut lesen lassen. Trotzdem ist es irgendwie mühsam - in konventioneller Buchform hätte ich den Kaminer bestimmt in einem Rutsch durchgelesen; so dümpele ich derzeit etwa bei Geschichte Nummer 5 herum.
Zurück zum Kränzchen: Thema des Abends waren dann Fernsehkrimis. Natürlich Literaturverfilmungen wie Donna Leon, Henning Mankell etc. und welche Verfilmung mit welchem Kommissar nun die bessere ist oder auch, welcher Kommissar besser aussieht. Aber auch die diversen "Tatorte" waren dran, wobei ich zugeben musste, während des Urlaubs den sonntagabendlichen Tatort eigentlich geguckt haben zu wollen, aber leider nicht mal in der Lage war, zu sagen, wo er spielte, weil ich nach einem langen Besichtigungstag von Müdigkeit übermannt schon beim Vorspann eingeschlafen war. Zwischendrin wurde ich nur gelegentlich kurz wach (von Schüssen oder anderen lauten Geräuschen). Erst Günter Jauchs Stimme weckte mich dann soweit auf, dass ich es vom Hotelsofa ins Hotelbett schaffte. - Ich weiß auch nicht, warum es bei uns immer so blutig zugeht, aber von der Fiktion gelangte das Gespräch zur Fernsehberichterstattung über reale Mordfälle, bei der es nicht selten zu merkwürdigen Stilblüten kommt (auch und gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, die sich soviel auf ihre journalistische Qualität zugute halten). Favorit hier die Formulierung "Bei den Leichen konnte nur noch der Tod festgestellt werden".

Donnerstag, 22. September 2011

Auf Bilbo und Frodo

Als Herr Bilbo Beulin von Beutelsend ankündigte, dass er demnächst zur Feier seines einundelfzigsten Geburtstages ein besonders prächtiges Fest geben wolle, war des Geredes und der Aufregung in Hobbingen kein Ende. (...) Die Zeit blieb nicht stehen, aber auf Herrn Beutlin schien sie wenig Wirkung auszuüben. Mit neunzig war er nicht anders als mit fünfzig. Als er neunundneunzig war, sagten die Leute, er sähe noch gut aus, aber unverändert wäre zutreffender gewesen.
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Gemäß dem Auenlandkalender fiel der 22. September immer auf einen Donnerstag. Dieses Jahr passt es also ganz genau, und heute abend werde ich den Stammtisch zu einem Toast auf Bilbo und Frodo bitten, auch wenn die Kneipe, in der wir uns treffen, leider nicht "Zum grünen Drachen" heißt.

Dienstag, 13. September 2011

Theater, Theater, der Vorhang geht auf ...

Es war eine stürmische Nacht,
als Literaturkranz Nummer Acht
diesmal bei Frau S. fand statt
und allen sehr gefallen hat.
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Die Eröffnungssentenz mit der stürmischen Nacht musste sein, denn es ging fast den ganzen Abend um Theaterliteratur. Die Theaterpädagogin der Runde beginnt nämlich gerade mit den Vorarbeiten für die nächste Aufführung, die sie mit Jugendlichen einstudiert, und fragte nach Tipps, welches Stück man denn mal inszenieren könne. Die Jugend wünscht sich etwas "Dramatisches".
Sofort fiel allen Schiller ein -  "Maria Stuart", "Kabale und Liebe" oder auch "Die Jungfrau von Orleans". Die Tipps umfassten auch Goethes "Leiden des jungen Werther" und natürlich Shakespeares "Romeo und Julia" (mehr Drama geht nicht!). Über eine Schwierigkeit wurde lange diskutiert: wie stellt ein Jugendlicher glaubwürdig eine "alte" Rolle dar, also einen lebenserfahrenen Menschen, ohne entweder das Stück oder sich selbst zu verbiegen?
Man merkt schon, dieses Mal ging es nicht ganz so lustig zu wie sonst (obwohl zu Ehren Vicco von Bülows viel Loriot zitiert wurde), aber ich fand es sehr interessant und spannend und habe einigen Stoff zum Nachdenken mitgenommen.

Montag, 15. August 2011

Noch'n Bücherstöckchen

Irgendwo im Internetz habe ich dieses Stöckchen aufgesammelt:

Gebunden oder Taschenbuch?
Egal. Bei manchen Autoren kann ich nicht warten, bis das neueste Werk als Taschenbuch erscheint, da muss es dann das Hardcover sein. Sonst, wie es gerade kommt.

Am*z*n oder Buchhandel?
Lieber Buchhandel, und am liebsten aus dem kleinen, inhabergeführten, ambitionierten Buchladen um die Ecke. Der benötigt nur 24 Stunden, um jedes gewünschte Buch zu beschaffen. Ausnahme: englische Bücher, die direkt in England bei am*z*n.uk bestellt billiger und schneller geliefert sind als über den Buchhandel. Und beim deutschen Onlinehändler nur, wenn ich es ganz eilig habe und weiß, dass ich es die nächsten Tage nicht in den kleinen Laden schaffen werde.
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Lesezeichen oder Eselsohr?
Lesezeichen natürlich! Wer mutwillig Eselsohren produziert, dem sollten die eigenen Ohren so lang gezogen werden, bis er auch solch eselige Lauscher hat.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Das hatten wir schon mal. Immer noch ordne ich die Belletristik alphabetisch nach Autor, bei mehreren Büchern eines Autors dann nach Titel; oder bei Serien nach Reihenfolge der Bände. Die Sachbücher sind nach Themengebieten sortiert.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Wegwerfen geht gar nicht. Verkaufen ist relativ aufwendig im Verhältnis zum Ertrag. Die meisten Bücher behalte ich, manches verschenke ich auch.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Behalten. Wofür wäre er denn sonst da?

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Mit. Gerne auch als Lesezeichen missbraucht, was bei sehr dicken Büchern dann gelegentlich zum Einreißen des Umschlags führt. Je nach Größe des Schadens wird der Schutzumschlag dann doch mal weggeschmissen.
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Kurzgeschichte oder Roman?
Ganz überwiegend Romane. Eine Ausnahme bildet Kipling, dessen Kurzgeschichten ich viel besser finde als seine Romane. Er ist einer der wenigen, der die kurze Form wirklich perfekt beherrscht. Seine "Plain Tales from the Hills" gehören zu den besten Kurzgeschichten, die ich je gelesen habe.
üp
Harry Potter oder Lemony Snicket?
Wer bitte ist Lemony Snicket?! Habe ich noch nie gehört. Harry Potter lese ich derzeit mal wieder; zum ungefähr achten Mal - und ich bin immer wieder angetan davon, wie gut diese Reihe konstruiert ist.
g
Aufhören wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zuende ist?
Sagen wir mal so: ich versuche meist, das Kapitel zu Ende zu lesen. Häufig flimmern aber vorher schon die Buchstaben vor den Augen und es ist auch schmerzhaft, wenn einem das Buch aus den Händen rutscht und auf die Nase fällt. Insofern versuche ich aufzuhören, solange ich noch zu einem geordneten Rückzug (Lesezeichen einlegen - Buch zuklappen - auf den Nachttisch legen - Licht ausschalten) in der Lage bin.
o
“Die Nacht war dunkel und stürmisch” oder “Es war einmal”?
Die dunkle, stürmische Nacht ist mir lieber. Kitsch a là Rosamunde Pilcher kommt mir nicht ins Haus.
j
Kaufen oder leihen?
Sowohl als auch. Ich besuche regelmäßig zwei Leihbüchereien, und auch im Literaturkränzchen und im sonstigen Freundeskreis herrscht ein reger Bücheraustausch. Das Regal ist sowieso zu klein, der Bücheretat ächzt ständig am oberen Limit; ohne Ausleihe müsste ich deutlich langsamer und weniger lesen, und das geht gar nicht!
m
Neu oder gebraucht?
Je nachdem. Klassiker oder vor etlichen Jahren schon mal gelesene Bücher, die ich mir jetzt dann doch ins Regal stellen will, kaufe ich sehr gerne antiquarisch, nicht nur, weil sie oft preisgünstiger sind, sondern auch, weil die alten Ausgaben manchmal viel schöner gestaltet sind.
Nicht zu reden von einer ganzen Anzahl geliebter Jugendbücher, die in den letzten Jahren von einigen Verlagen zwangsmodernisiert und / oder den herrschenden Gepflogenheiten der sogenannten politischen Korrektheit unterworfen wurden. Da sind mir die alten Ausgaben hundertmal lieber.  
u
Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Die ersten drei sind Hinweisgeber, die beim Stöbern helfen. Ich lese Bücher gerne "an", insbesondere wenn mir der Autor noch unbekannt ist.
h
Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Ordentliches Ende, bitte. Das ist ja sonst wie in den alten TV-Serien, wenn es heißt: "schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, um mitzuerleben, ob sich der Held auch aus dieser schlimmen Klemme wieder befreien kann".
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Morgens, mittags oder nachts lesen?
Wann Zeit ist. Manchmal in der Mittagspause, sonst meist abends, am Wochenende auch tagsüber. Gelegentlich  ab dem Moment, in dem ich das Buch in die Finger kriege, bis zum Auslesen.
+
Einzelband oder Serie?
Kommt drauf an. Manchmal macht es Spaß zu erfahren, was der Held als nächstes erlebt - man hat ja auch das Gefühl, die Figuren schon zu kennen. Schwierig wird das nur, wenn man Serien nicht in der richtigen Reihenfolge liest.
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Lieblingsserie?
Die Eifelkrimis von Jacques Berndorf. Das ist halt meine Heimatgegend und allein deshalb spannend. Berndorf hatte zwar mal einen Durchhänger so in der Mitte der Reihe, aber die letzten zwei, drei Bände haben mir wieder sehr gut gefallen. 
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Lieblingsbuch von dem noch nie jemand gehört hat?
"Schatten über dem Mond" von M.M. Kaye. Eventuell kennen Bücherwürmer noch gerade so den "Palast der Winde" von dieser Autorin; das war vor 30 Jahren ein Weltbestseller. Die "Schatten" sind noch älter, aber ich finde, es ist ein wunderbarer historischer Roman.
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Lieblingsbuch der letzten zwölf Monate?
Immer diese schwierigen Entscheidungen! "Kälteschlaf" von Arnaldur Indridason. Ein Krimi, bei dem man von Anfang an weiß, dass bei diesem angeblichen Selbstmord etwas faul ist, aber sich nur ganz langsam das Überthema des Buches herausschält.
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Welches Buch liest du gegenwärtig?
Harry Potter 7 - ich bin schon beim letzten Band angekommen. Inspiriert durch den Gang ins Kino habe ich die ganze Serie nochmal in einem Rutsch gelesen und bin jetzt fast durch. Außerdem einen Krimi von Nele Neuhaus "Eine unbeliebte Frau".
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Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
"Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien. Das lese ich einmal jährlich, es ist mir noch nie langweilig geworden und ich glaube nicht, dass es das jemals werden wird. Ein Buch zum Versinken.
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Frau Ottosschnipsel, wären Sie so freundlich und heben das Stöckchen mal auf? Und alle anderen natürlich auch - ich bin ja ü-ber-haupt nicht neugierig, wer welche Bücher liest ... ich schiele ja auch nie in anderer Leute Bücherregale, was da so rumsteht. Würd' ich nie tun.  

Donnerstag, 4. August 2011

Die Wespe im Spaßbad

Frau K. aus dem schönen Hofheim im Tal
die lesenden Damen stellt vor die Wahl
ob sie gerne hätten
mit Senf die Buletten -
bei drei Sorten Mostrich 'ne Qual!
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Gedichtet wurde zwar nicht beim siebten Literaturkränzchen, aber als verdiente Hommage an die leckeren Frikadellen kam es mir auf der Heimfahrt plötzlich in den Sinn. Besagte Fleischklopse erinnerten uns natürlich auch sofort an ein früheres Treffen, als es um getanzte Frikadellenbrötchen ging. Frau K.'s Terrassentisch macht zwar einen durchaus stabilen Eindruck, aber wir haben es dann doch unterlassen, auf selbigem ein Tänzchen hinzulegen. Auch der Vorschlag, ersatzweise an der Stange des Sonnenschirms herumzuschwingen, wurde nicht aufgegriffen.
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Das Thema endete recht abrupt, als sich eine Wespe in eins der Wassergläser stürzte und nach kürzester Zeit keinen Spaß mehr am Schwimmen hatte. Der Rettungsversuch mit einem Strohhalm als Kletterhilfe klappte nicht; ich schlug dann vor, das Glas einfach in die Rabatte auszuleeren. Frau K. griff sich das Glas und schüttete es mit mächtig viel Schwung über ihre linke Schulter hinweg ins Blumenbeet. Die Wespe weiß jetzt, wie es in einem Whirlpool zugeht und brummte mit leichtem Drehschwindel über den Rasen davon.

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Nach Frikadellen und Kartoffelsalat wurde ein Spritz aufgetischt, bei dem es sich wunderbar über Gott und die Welt und Bücher reden ließ. Frau S. hat in ihrem Dänemark-Urlaub noch mehr gelesen als sie es sonst schon tut, weil eine Woche lang sehr schlechtes Wetter herrschte und andere Aktivitäten unmöglich machte. So viel Zeit zum Lesen! Frau S. hat zwar versucht, einen Bedauern heischenden Unterton in ihre Stimme zu legen, aber uns konnte sie nicht täuschen. Herr S. übrigens fing aus purer Langeweile an, Eifelkrimis zu lesen (von denen Frau S. vor ihrem Urlaub zwei bei mir auslieh) und schreit jetzt nach mehr. Lesen: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Buchhändler oder Bibliothekar!
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Frau O. hat ihr Bücherregal ausgeräumt, um es frisch zu streichen und will die Gelegenheit nutzen, ein-, aus- und umzusortieren. Das Regal ist natürlich trotzdem immer irgendwie zu klein. Wenigstens geht es uns allen so, dass die Bücherberge ständig wachsen und dass der Stapel der "muss ich unbedingt lesen"-Bücher niemals kleiner wird. Es gibt ja auch noch die "muss ich sofort wieder lesen"-Bücher, mit denen man auf der Stelle anfangen muss, zu Lasten der noch ungelesenen Bücher; mal abgesehen von Zeitungen, Zeitschriften und was man sonst noch so liest. Manchmal frage ich mich, ob Herr Gutenberg seinerzeit hat absehen können, was er da anrichtet mit seiner Buchdruckmaschine ...

Donnerstag, 30. Juni 2011

Ohne Mampf kein Kampf

Mit knurrendem Magen kann man nicht konzentriert lesen oder über Bücher sprechen. Daher gibt es bei den Kränzchenabenden immer erst etwas zu essen. Ich fabrizierte gestern abend einen Enchillada-Auflauf (huhu Frau Ex-Nachbarin, falls du hier mitliest und dir das Rezept bekannt vorkommt: ja, es ist das von dir, wenn auch inzwischen nach Dinktocs persönlichem Geschmack abgewandelt!), und auf allgemeinen Wunsch dreier einzelner Damen veröffentliche ich hier das Rezept:

Enchillada-Auflauf (für 5 Personen)

500 g Rinderhack
2 kl. Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
2 Paprikaschoten
5-6 Tomaten
1 Dose Mais (425 ml)
1 Dose Kidneybohnen (425 ml)
1 Chilischote (oder mehr - je nach "chön charf"-Bedarf)
3 EL Ketchup
10 Tortilla-Fladen
1 Becher (200 g) Creme Fraiche
150 g geriebener Käse (Gouda, Emmentaler, Cheddar o.ä.)
Olivenöl, Salz
Koriandergrün (nach Wunsch)

Zwiebeln fein würfeln, Knoblauch durch die Presse drücken und im heißen Öl zusammen mit dem Hackfleisch kräftig anbraten. Die gewürfelte Paprika dazugeben und mitbraten, ebenso die in feine Streifen geschnittene Chilischote.

Tomaten mit kochendem Wasser überbrühen, abgießen, häuten, Stielansatz entfernen, würfeln und zum Hackfleisch geben. Mais und Kidneybohnen abspülen, gut abtropfen lassen und ebenfalls zum Hackfleisch geben. Dann den Ketchup beifügen und evtl. etwas Wasser. Die Mischung 10 Minuten offen köcheln lassen. Mit Salz abschmecken; nach Wunsch fein geschnittenes Koriandergrün beifügen.

Die Tortilla-Fladen mit je 4 gehäuften EL Fleisch-Gemüse-Mischung belegen, zusammenrollen und in eine flache Auflaufform legen. Evtl. übrig gebliebenes Fleisch/Gemüse auf den Tortillas verteilen. Geriebenen Käse mit der Creme Fraiche verrühren und über die Tortillas geben.

Bei 175 Grad Umluft 30-35 Minuten backen, bis der Käse goldbraun ist.

Lasst es Euch schmecken!

Sechs And The Literaturkränzchen

Das sechste Kränzchen fing völlig unliterarisch mit einer höchst wichtigen Frage an, von der Frau K. und Frau O. umgetrieben wurden: rasiert sich ihr gemeinsamer (männlicher) Kollege E. die Beine und wenn ja, wie und vor allem: warum?
Aus diesem sehr speziellen wanderte das Gespräch ins allgemeine Feld der Körperhaarentfernung (man merkt, es ist Sommer!). Wir stammen ja alle noch aus einer Generation, die Haare an den Beinen und unter den Achseln nicht nur vom Hörensagen kennt, dafür aber bei den heute gängigen Methoden der Haarentfernung nicht immer ganz up to date ist und auch nicht unbedingt sein will - man muss ja nicht mehr jeden Unsinn mitmachen.
Über nicht mehr zu rekonstruierende Umwege landete das Gespräch beim bevorstehenden Kino-Start des letzten Harry-Potter-Films, und von da war es nicht mehr weit zum Thema Bücher. Frau O. erzählte, wie sie 1997 eher zufällig den ersten Harry-Potter-Band zum Vorlesen für ihre damals fünfjährige Tochter gekauft hatte, weit vor dem großen Hype. Sie ist zu einer Lesung JK Rowlings gegangen, veranstaltet von einer Frankfurter Buchhandlung, die damals noch Werbung machen musste, um die 400 Karten verkaufen zu können und hat sich das Buch signieren lassen. Kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen ...
Ansonsten ging es hauptsächlich um mögliche Urlaubslektüren, das eierlegende Wollmilchbuch sozusagen. Krimi ja, aber nicht zu schwer und zu blutig, ist ja schließlich Urlaub. Ganz ohne Tiefgang geht aber auch nicht, das wäre ja langweilig. Fast zwangsläufig landeten wir bei den Regionalkrimis, die ja fast immer Beschaulichkeit und Lokalkolorit bieten, während nebenbei der ein oder andere Mord passiert. Favoriten waren Nele Neuhaus, Volker Klüpfel/Michael Kobr und Jacques Berndorf.
Zum Abschluss des Abends wurde auf Frau Dinktocs Esstisch eine Art Tauschbörse aufgemacht:  da lagen die Bücher, die Frau S. mitgebracht hatte, um sie Frau O. zurückzugeben, dann das Buch, das Frau S. gerade von Frau Dinktoc zurückerhalten hatte, sowie zwei Eifelkrimis aus dem Besitz Frau Dinktocs, die sie gestern Frau S. geliehen hat.
Anfang August lesen wir uns wieder.

Nachtrag: Frau O.s Bericht vom Abend findet der interessierte Leser hier.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Literaturkränzchen zum Fünften

Endlich, nach zwei Monaten Pause aufgrund von Terminschwierigkeiten im April, fand gestern abend das 5. Literaturkränzchen statt. Leider konnte Frau K. diesmal nicht teilnehmen, die Ärmste ist an Kehlkopf und Stimmbändern erkrankt und hat vom Arzt striktes Sprechverbot auferlegt bekommen. Für einen so kommunikativen Menschen wie Frau K. sicherlich fast die Höchststrafe! Was uns andere, böse Weiber, die wir sind, natürlich nicht davon abgehalten hat, sie trotzdem einzuladen mit dem Hinweis, sie könne ja ihre Anmerkungen jeweils tanzen ...

Die verbliebenen drei Damen sprachen bei köstlicher Pasta erst über Bücher - wer hätte es gedacht? - und dann in lauer Abendluft auf dem Balkon eine Weile über die Gesundheit, eine hat Knie, die andere Auge, und alle haben ab und zu Migräne; bevor das Thema Bücher wieder aufkam.

Dabei wurde ein bedauerlicher Mangel offenbar: obwohl Frau O. tonnenweise Krimis gelesen hat, hat sie der Muter aller Kriminalromane, Agatha Christie nämlich, noch nie Aufmerksamkeit gewidmet und kein einziges Buch von ihr gelesen. Dem werden wir demnächst abhelfen. Ich hatte nämlich versehentlich die englische Ausgabe von "Mord im Pfarrhaus" - Murder at the Vicarage - doppelt gekauft und werde ein Exemplar nun der Frau O. verehren, auf dass sie ihre Kenntnisse des Englischen und der Kriminalliteratur gleichermaßen erweitern möge.  

Frau S. erzählte, dass sie inzwischen die in den letzten Treffen selbst erhaltenen Literaturtips an ihren Mann weitergibt, der letztens etwas ratlos vor dem Bücherregal stand und schließlich zu ihr sagte: "Du weißt doch, wofür ich mich so interessiere. Was will ich denn jetzt mal lesen?"  Frau S. befragte ihre Kristallkugel und sicherheitshalber auch ihr Gedächtnis und empfahl Volker Kutscher, dessen Krimis im Berlin der 30er Jahre spielen.

Die interessanteste Erkenntnis des Abends: jede der drei Anwesenden erwähnte eine/n von ihr favorisierte/n Autor/in, von dessen bzw. deren Büchern die anderen beiden noch nie gehört hatten, aber bei näherer Beschreibung der Schauplätze und Inhalte hellhörig wurden. Man beschloss eine Rundmail mit Titeln und Autorennamen - wir sind alle über vierzig und können uns das alles nicht mehr einfach so merken! Warum eigentlich ist "Bücherleserin" kein anerkannter (und anständig bezahlter) Beruf?!

Donnerstag, 31. März 2011

Literaturkränzchen, das Vierte

Nach relativ umfangreichen Vorbereitungen fand gestern abend das vierte Literaturkränzchen statt. Diesmal wurde tatsächlich fast ausschließlich über Bücher geredet: Krimis von Kathy Reichs, Agatha Christie, Patricia Cornwell, Andreas Franz, usw. usf. und wie man die richtige Reihenfolge herausfindet, um eine Krimiserie ordentlich hintereinander weg lesen zu können.
Ich erwähnte mein altes Vorhaben, irgendwann einmal alle Literaturnobelpreis-ausgezeichneten Bücher gelesen zu haben. Dieses hehre Ziel wurde ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als Frau K. nüchtern feststellte, das hätte jeder Vielleser schon mal vorgehabt. Trotzdem wurde angeregt, zur nächsten Kränzchenrunde eine entsprechende Liste mitzubringen  
Einen längeren filmischen Exkurs gab es auch: der Bericht über einen Kinobesuch in "Pina" (über Pina Bausch und ihr Tanztheater). Frau O. war hin und weg, gerührt, bewegt - mit einem Wort: begeistert von diesem Film. Besonders eine Szene hatte es ihr angetan, und sie hat sie unwillkürlich nachgespielt: die tänzerische Darstellung der vier Jahreszeiten. Und so durften wir Zeuginnen werden, wie im Frühling das Gras wächst, im Sommer der Wind die hohen Getreidehalme fächelt, im Herbst die Blätter zu Boden schweben; und wie der Mensch im Winter vor Kälte zittert. Nach der Vorführung waren wir unisono der Meinung, dass Frau O. sozusagen das Vordiplom bestanden hat und nunmehr in der Lage ist, zu den Fortgeschrittenen aufzurücken, auf dass das getanzte Frikadellenbrötchen möglichst bald Realität werde! 

Dienstag, 29. März 2011

Wenn lesende Frauen E-Mails schreiben. Oder: Was vor Beginn des Literaturkränzchens geschah (und Sie schon immer wissen wollten)

Frau S. schreibt:

Betreff: Treffen morgen bei mir

Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, auch bei euch steht noch der Termin für morgen bei mir !!! (...) Frau K., nehme ich an, fährt wahrscheinlich bei Frau O. mit, oder? (...) Ich freue mich auf euch,
Eure Frau S.


Frau K. antwortet an alle:

Hallo Frau S., RISCHDISCH ich fahre mit Frau O.!
Freu, freu.
Grüße von Frau O. und Frau K.


Frau Dinktoc antwortet an alle:

Ich freu mich auch, so rischdisch ….
(auch wenn man „rischdisch“ rischdischerweise eischendlich „richtig“ schreibt, oddä? *Klugscheißmodus aus*)
:-)
Bis morgen
Frau D.


Frau K. antwortet an alle:

Es ist sischärlisch wischdisch das frau informiert über die rischdische schreibweise von richtig!
:o)


Frau D. antwortet an alle:

Und dabei ist das alles bloß hessische Rechtschreibung und Grammatik. Im Rheinland hält man sich nicht mit „rischdisch“ oder „richtig“ auf, da sagt man einfach: Jenau!!
(die zwei Ausrufezeichen sind wischtisch, sonst ist das nicht ganz rischdisch.)
:-D


Frau O. antwortet an alle:

Isch als Germanistikerin sach da mal nix zu dere ganze Disgussion!
:-)~
Gruß
Frau O.


Frau K. antwortet an alle:

Iss ach bessär so!



Man darf auf den morgigen Abend gespannt sein ...

Donnerstag, 24. Februar 2011

Das getanzte Frikadellenbrötchen

Literaturkränzchen, das dritte. Gestern abend ging es mal wieder um Krimis (es geht irgendwie immer um Krimis!), um die literarischen und die, die tagtäglich im Büro stattfinden. Die letzten Kinobesuche fasste man im sehr weiten Sinn auch unter Literatur und hechelte sie ausgiebig durch (Quintessenz: "Tron": zu Hause bleiben. "The King's Speech": auf jeden Fall ansehen.).
Von den gesehenen Filmen wanderte das Gespräch zu den noch zu sehenden, und da haben Frau O. und Frau K. auf jeden Fall den neuen Wim Wenders auf der Liste - "Pina" über Pina Bausch und ihr Tanztheater. Die Frage kam auf, wie man solch Tanztheater auf das tägliche Leben anwenden könne: Frau O. und Frau K. dachten ernsthaft über die Möglichkeit nach, wie man in der Mittagspause an der Supermarkt-Metzgertheke den Wunsch nach einem Frikadellenbrötchen tänzerisch ausdrücken könnte. Ich hoffe, sie sagen mir vor der Aktion Bescheid - da würde ich nämlich zu gerne dabei sein, in sicherer Entfernung selbstverständlich ('ich kenne diese Frauen nicht, nein, nie gesehen!' *fingerkreuz*). Nur eine Frage ist noch offen: wie tanzt man "mit Senf" bzw. "ohne Senf"?

Donnerstag, 27. Januar 2011

47 minus 9 ist gleich 42

wurde gestern abend beim zweiten Literaturkränzchen (wir hatten wieder eine Menge Spaß) von Frau Ottosschnipsel ausgerechnet. Mildernde Umstände waren ein reichliches Abendessen, eine Flasche Bier, viel Lakritze zum Nachtisch und eher schräge Gesprächsthemen. Angefangen hatte es mit Stieg Larssons Büchern und den Filmen dazu und Frau O.'s Bericht über ihre Reise nach Aland, als sie glaubte, auf einem Ausflug die verfallende Fabrik aus Teil 3 zu entdecken, in der die Heldin mit dem Akkuschrauber *schauder* ihren bösen Halbbruder *zitter* an ein Eisengeländer tackert *grusel*!
Von da wanderte das Gespräch zu Selbstmorden, literarischen & echten, und landete dann beinahe zwangsläufig beim Darwin Award und somit den vielfältigen Möglichkeiten, sich auf ausgesprochen dämliche Weise vom Leben zum Tode zu befördern.
Irgendwie waren wir damit ein klein wenig vom Thema Bücher und Literatur abgekommen und überlegten gerade, ob wir für das nächste Treffen so eine Art Tagesordnung vorbereiten sollten, da machte Frau O. - geleitet aus völlig anderen Gründen, deren Erläuterung hier zu weit führen würde - obige Rechnung auf. Darauf wurde spontan beschlossen, Bücher zum Thema Mathematik jedenfalls nicht auf die Agenda zu setzen.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Tatort Orgasmus

Vor einiger Zeit stellte eine Freundin fest, dass sie mit verschiedenen ihrer Kolleginnen und Freundinnen bei jeder Unterhaltung nach kurzer Zeit auf Bücher zu sprechen kommt; und sie hatte die Idee, ein "Literaturkränzchen" ins Leben zu rufen, damit man sich in etwas größerer Runde über Bücher und Autoren austauschen kann. Gestern abend trafen sich also zum ersten Mal vier lesewütige mittelalte Frauen, die sich untereinander bisher nur flüchtig kannten (abgesehen von der Initiatorin natürlich), aber sofort einen Draht zueinander hatten.
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Es war unterhaltsam, amüsant und lustig, gelegentlich auch nachdenklich. Die Unterhaltung bewegte sich von Büchern zu allgemeinen Themen zu Büchern zu Vor- und Nachteilen einer Fernbeziehung (die gelegentlich bis zur Ehe führen kann ...) zu Büchern zur persönlichen Familiengeschichte. Letzteres im Zusammenhang mit Kempowskis "Echolot" - eine der Anwesenden wusste, dass ihr Großvater bei der SS gewesen und an der Ostfront eingesetzt war und sie fürchtete immer halb und halb, dass sie ein Foto von ihm in Kempowskis Kompendium finden würde. Genaueres von der Tätigkeit ihres Großvaters während des II. Weltkriegs wusste sie nicht und war auch nicht sicher, ob sie auf diese Weise mehr hätte erfahren wollen.
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Aber es gab auch leichtere Kost. Man war sich einig, dass man Krimis am besten da liest, wo sie spielen, also beispielsweise Toskana-Krimis im Urlaub ebenda. Das Problem ist nur, dass es in der Regel mehr Krimis als Urlaub gibt! Manchmal ist der Krimi auch so spannend und beklemmend realistisch, dass er das wahre Leben beeinflusst - eine Teilnehmerin las in ihrem Italien-Krimi nur noch bei Tageslicht weiter. Abends hätte sie sich in ihrem Ferienhaus zu fürchten begonnen.
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Der sehr heitere Abschluss des Abends ergab sich, als aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses vermutet wurde, eine Anwesende habe während der letzten Tatortsendung einen Orgasmus gehabt ... aber leider waren weder der Kriminalfall noch der Kommissar noch der Bösewicht erregend genug dafür gewesen (schade eigentlich).
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Den Termin fürs nächste Literaturkränzchen haben wir für Ende Januar anvisiert, und darauf freue ich mich heute schon!