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Sonntag, 5. August 2018

Good bye, Down Under!


Was mir fehlen wird, wenn ich nicht mehr in Sydney bin:

 
  1. Der Blick auf die Oper bei der täglichen Fahrt über die Harbour Bridge. Die Dächer der Oper sind aus bräunlichem Beton, doch im Morgensonnenschein glänzen und glitzern sie, als seien sie aus Silber.
  2. Die Kakadus, die hier überall herumfliegen wie bei uns die Amseln. Abends, kurz vor Sonnenuntergang, sammeln sie sich kreischend in Schwärmen auf den Bäumen in der Nachbarschaft.
  3. Die freundlichen und entspannten Sydneysider. In den acht Wochen hier habe ich einen einzigen hektisch telefonierenden Herrn Oberwichtig gehört (und gesehen).
  4. Die hervorragenden asiatischen Restaurants an jeder Ecke und die Food Courts in vielen Bürogebäuden. 
  5. Der morgendliche Blick aus dem Fenster auf den Sonnenaufgang über dem Meer. 
  6. Die herrlichen Strände und der Pazifik.
 

 

 Fazit: Ich komme gerne wieder.

Freitag, 3. August 2018

Fass aufgemacht

In mehr als einer Hinsicht. Gestern sahen wir uns gezwungen, gegenüber der Partnerfirma gepflegt zu eskalieren, weil man uns seit Tagen in unschöner Weise hängen ließ. Nach etwa zwölf Stunden im Büro mit allerlei Kalamitäten herrschte im Team die einhellige Meinung, dass nur eine Therapie in Frage käme: Bier. Viel Bier.

Kollege R. wusste um die perfekte Heilanstalt: eine Mikrobrauerei mitten in Sydney. Die Braumeister haben in ganz Europa Rezepte gesammelt, mit nach Hause genommen und hier umgesetzt und weiterentwickelt.


Auf den Zapfhähnen finden sich zwölf verschiedene Biere, und das beste: es gibt ein "Beer Paddle", ein Brett mit vier Löchern, passend für je ein Viertelpint-Glas. Man wählt vier Biere aus, der Barkeeper schreibt mit Kreide die Nummern aus der Bierkarte auf's Paddle, zapft und platziert die Gläser entsprechend, und dann: Chin Chin, Therapiebeginn!



Ich suchte mir Biere Nummer 3, 4, 8 und 9 aus. Angefangen habe ich mit Nummer 9: "Dark & Dusty". Sieht aus wie Guiness, schmeckt aber überraschend wenig süß, sogar eher herb, als hätte man es eine Weile in einem Eichenfaß beherbergt. Gar nicht schlecht, schneller Therapieerfolg.
Als nächstes war Nummer 3 dran, das "Aussie Lager". Solide und gut trinkbar, die Heilwirkung hielt das Niveau. Dann die Nummer 4, "Honey Ale". Eine Enttäuschung. Das schmeckte wie Honig, der mit Wasser verdünnt wurde. Mit sehr, sehr viel Wasser. Homöopathischer Honig. Hatte keinerlei therapeutischen Wert.
Zuletzt Nummer 8, mit dem schönen Namen "Vintage Hell Raiser". Ein klassisches Ale, kam gut und wurde einhellig als die Therapie mit den größten Erfolgsaussichten eingestuft.


Nachdem wir heilunterstützend ausreichende Mengen an Kohlehydraten, Proteinen und Vitaminen zu uns genommen hatten, gingen wir zum Ale in größeren Gebinden über. Die Heilung war am späteren Abend vollzogen. Nebenwirkungen am heutigen Morgen in Form eines leichten Druckkopfschmerzes konnten weder von Arzt noch von Apotheker oder Kollegen schlüssig erklärt werden.



Freitag, 6. Juli 2018

Essen in Sydney


Preisfrage: was ist australisches Essen? Die Antwort: alles und nichts. Auch wenn mittlerweile viele Restaurants Werbung machen mit "modern Australian kitchen", ist es eher eine wilde Mischung aus allerlei Elementen verschiedener asiatischer Küchen kombiniert mit mediterranem Einschlag.

"Traditionell australisch" kann man quasi gleichsetzen mit "traditionell britisch". Bangers'n mash, Pasteten, Fish 'n Chips, Sunday Roast wird in vielen Pubs angeboten. Daneben gibt es Restaurants aus aller Herren Länder, mit Schwerpunkt auf den asiatischen. Was meinem persönlichen Geschmack entgegen kommt. Hier ums Eck vom Büro ist zum Beispiel gibt's einen Food Court, wo man eine hervorragende Singapore Laksa essen kann.

Vorgestern planten einige Kollegen und ich ein gemeinsames Abendessen. Die Restaurantsuche im Internet förderte eine höchst interessant klingende Lokalität zutage: Ein "Asian Tapas"-Restaurant. Klassische Gerichte aus vielen asiatischen Ländern, neu umgesetzt als Tapas. Das Essen dort war hervorragend, ich denke, der Laden hat uns nicht zum letzten Mal gesehen. Ein paar Eindrücke für euch:


 
Grüne Bohnen mit Minze und Knoblauch in Reisessig-Vinaigrette (kalt)


 
Tigergarnelen in Knoblauchbuttersauce mit Seetang


 Lachscarpaccio mit Kaviar (unechtem, soo gut zahlt die Firma auch wieder nicht) in Sojasauce


 
Chennai Roti mit Chicken Curry


 Knuspriges Huhn mit Kimchi-Chili-Mayonnaise (links) und gegrillte Schweinefleischstreifen
mit gehackten Cashewnüssen und vietnamesischer Zitronensauce


Die asiatische Fusion-Küche ist hier schon recht weit gediehen. Ich bin gespannt, wie das hier in "Oz" weitergeht, ob diese Entwicklung auf den asiatischen Kanon beschränkt bleibt oder ob sich das irgendwann mit den englischen Einflüssen kombiniert.

Australien ist auf alle Fälle noch ein paar Schritte hinter Singapur zurück. Dort hat man inzwischen einen kleinen Kanon spezifischer Gerichte, Australien muss diese Eigenständigkeit noch entwickeln. In ein paar Jahren komme ich hoffentlich wieder her und schaue, was aus "modern Australian" geworden ist. 

Mittwoch, 13. Juni 2018

Sydney: Bemerknisse

  1. Der gemeine Einwohner von Sydney ist (nach europäischem Maßstab) eher untergroß. Der Vorteil: in einem U-Bahn-Wagen zur Rush Hour verfüge ich meist weiträumig über die Lufthoheit. Der Nachteil: Gespräche bedingen eine gebeugte Körperhaltung, was meiner Nacken- und Schultermuskulatur eher abträglich ist. Aber Gespräche finden dauernd statt, denn
  2. Der gemeine Einwohner von Sydney ist kommunikativ. Bei bisher ausnahmslos jeder Fahrt mit dem Aufzug kam vom wildfremden Mitfahrer (bisher ist noch keine Mitfahrerin zu vermelden) nach einem lächelnden Hallo - man vergleiche allein das mit dem in Deutschland üblichen und als freundlich geltenden "hrmpfgrmbl"-Gemurmel - die Frage, was man denn vom Tag erwarte (morgens) oder wie der Tag gewesen sei (abends).
  3. Die Stadt ist kosmopolitisch und multiethnisch und wirkt wie London in klein. Was kein Wunder ist, ein Kollege, seit 12 Jahren hier ansässig, bestätigte erst heute, dass man bei allen angedachten Neuerungen und Änderungen sich erst mal informiert, wie das in London gemacht wurde.  

Donnerstag, 10. August 2017

Bemerknisse zu Bangkok

  1. Bürgersteige in Bangkok sind zum Gehen nur eingeschränkt geeignet. Sind sie breit, stehen auf dem unebenen Boden Strommasten, Stützpfeiler der allgegenwärtigen Fußgängerüberführungen und Trafohäuschen herum. Werbeplakate, Streetfood-Anbieter mit ihren Wagen, Bordsteinschwalben und mobile Uhrenverkäufer schränken den verfügbaren Platz weiter ein und zwingen zum Slalomlauf.
  2. Sind die Bürgersteige schmal, kann man immer noch ein Moped darauf parken. 
  3. Sehr präsent im Straßenbild sind die vielen händchenhaltenden Paare aus europäischem Mann und thailändischer Frau mit auffällig großem Altersunterschied.
  4. Im chaotischen Straßenverkehr und ständigen Stau wird wenig gehupt. Man sieht Frauen und Männer und Ladyboys von äußerst knapp bekleidet bis voll verschleiert.
  5. Nach diversen Anschlägen in den letzten Jahren gibt es Sicherheitskontrollen an den Eingängen zu U-Bahn-Stationen und Einkaufszentren. Diese sind jedoch mehr Beruhigungskosmetik und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ein Mensch mit Stablampe leuchtet kurz in Tasche oder Rucksack, fertig. Dieser Mensch bekommt den Mindestlohn, der in Bangkok bei umgerechnet 7,50 EUR pro Tag (!) liegt.
  6. Wenn ein Thai von Pinguinen spricht, meint er weder die Vögel noch katholische Nonnen. Sondern die mit schwarzem Umhang verschleierten Araberinnen, die nach Einbruch der Dunkelheit die Stadt und die Einkaufszentren bevölkern.

Montag, 24. Juli 2017

Seefahrt mit dem Kanu


Im Rahmen einer Einweihungsparty beim Auslegerkanu-Club auf Sentosa Island habe ich einiges über "Outrigger Canoes" erfahren. Die Einführungsveranstaltung für die Rookies fing mit einem kleinen Exkurs in die polynesische Gedankenwelt an.



Unter keinen Umständen klettert man über das Kanu. Über den Ausleger, ja, aber nicht über das Kanu. Man darf auch nicht fluchen, solange man im Boot ist. Beides ist sehr respektlos. Erstens einmal hat man für die Herstellung des Kanus einen Baum fällen müssen: dieser Baum und sein Opfer verdienen alleine schon Respekt. Zweitens bringt das Kanu Menschen sicher aufs Meer hinaus und genauso sicher wieder zurück. Dafür muss man ihm dankbar sein.



Nach dieser Einführung, einer Schnellbleiche in Sachen Technik und einem Schwimmtest (wer sich nicht 5 Minuten wassertretend an der Oberfläche halten kann, darf nicht mit aufs Boot) ließen sie uns ins Kanu und los ging's hinaus aufs weiter Meer. Will heißen, dreißig Meter aus der Bucht hinaus und dann in den Windschatten des nächsten kleinen Inselchens, um den Huli zu üben. "Huli" klingt lustig, ist aber eine Lebensrettungsübung - denn trotz Ausleger kippen die Boote leicht über, besonders wenn die Wellen von der Seite kommen. Also macht man das einmal absichtlich, damit jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat.



Auf Kommando lehnten sich alle schwungvoll nach rechts, zack, hob sich links der Ausleger und die Welt wurde badewannenwarm nass und salzig. Man sammelt sich neben dem Boot, zählt durch 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 und dann läuft unter dem Kommando des Steuermanns ein vorher erläutertes Verfahren, um das Boot wieder aufzurichten. Das schwierigste dabei fand ich, wieder ins Boot hereinzukommen. Die Bordwand ist steil, glitschig, es gibt keinen Griff zum Festhalten, und bei sowas bin ich sowieso ungeschickter und uneleganter als jedes Walroß beim Landgang. Irgendwie hat es dann doch funktioniert (heute Hämatome am Oberarm und in der Kniekehle). Klitschnaß ging es zurück ans sichere Ufer. Ich glaub, das wird nicht meine Lieblingssportart, aber es war eine interessante Abwechslung.

Freitag, 30. Juni 2017

Dreißig Tiger

Vorhin im Supermarkt ist mir ein echtes Schnäppchen gelungen. Eigentlich wollte ich ja bloß Brot kaufen, aber dann fiel mir noch ein anderes Getreideprodukt ins Auge: Tiger-Bier. Nur dieses Wochenende im Sonderangebot - 30 Dosen für 58,50 Singapur-Dollar. Weniger als zwei Singdollar pro Dose, das ist echt günstig. Normal zahlt man zwischen 3 und 3,50 S$ (das sind etwa 2,20 - 2,50 EUR). Alkohol ist hierzulande hoch besteuert.


Offenbar werden die 30er-Packs nach den gleichen Normen produziert wie die Kühlschränke, denn der Karton passte nach Länge, Breite und Höhe haargenau ins Kühlschrankfach.



Zum Glück befindet sich der Supermarkt direkt neben meinem Hotel. Es war so schon unbequem genug, diesen schweren, unhandlichen Karton ins Apartment zu bugsieren. Die entstandenen Rückenschmerzen bekämpft man am besten mit der Einnahme einer reichlichen Dosis Bier. Prost!

Mittwoch, 28. Juni 2017

Tempelgeographie

Am Feiertag habe ich mit Kollegen eine Runde durch die Stadt gedreht. Wir wollten nach Toa Payoh. Die zwei anwesenden Geographen waren an diesem Stadtteil interessiert, weil er vom Reißbrett geplant wurde, mit Einkaufszeile und Food Court, was halt in Singapur so dazugehört, und die thailändische Kollegin (keine Geographin) wollte gern den buddhistischen Tempel dort besuchen.

Erst mal haben wir im örtlichen Food Court gefrühstückt. Wie immer sehr gut besucht von lokalem Publikum, mit großer Auswahl an leckerem Essen. Vorausgesetzt, man ist bereit, sich auf asiatische Frühstückssitten einzulassen. Marmeladenbrötchen gibt's hier tatsächlich nicht. Gekochte Entenfüße hingegen wären kein Problem. Wir teilten uns eine Auswahl frisch zubereiteter Dim Sums mit Krabben, Fisch und Schweinefleisch.

Danach machten wir uns auf die Suche nach dem Tempel. Wie überall auf der Welt gibt's auch in Singapur die Bankrentner, die grüppchenweise ihre Tage auf Parkbänken verbringen und alles beobachten, was so im Umfeld passiert. Die Kollegin fragte den nächstbesten Bankrentner nach dem "Thai Temple". Große Debatte auf Chinesisch unter den Herren.

Schließlich teilte uns der Oberbankrentner mit, also, es gebe da einen Tempel, gefolgt von einer gestenreichen Wegbeschreibung, aber das sei kein Thai Temple, sondern ein Myanmar Temple. Da die Anzahl seiner Englischvokabeln die Anzahl seiner verbliebenen Zähne nicht wesentlich überschritt (er hatte noch vier), muss leider im Dunkeln bleiben, was genau der Unterschied zwischen einem Thai Temple und einem Myanmar Temple ist. Gefunden haben wir ihn trotzdem.



 

Dienstag, 20. Oktober 2015

Wieder wie Gott im Elsaß

Vor etwa zwei Jahren waren wir schon mal da. Es blieb uns allen unvergeßlich, und so beschloß die gleiche Truppe wie damals: dieses Jahr fahren wir wieder hin. Gesagt, gebucht, letzten Samstagmorgen ging's los. Diesmal planten wir noch eine kleine, knapp 7 km lange Wanderung mit ein, um uns den richtigen Appetit für das Schlemmermenü anzulaufen.
     
Frau M.K. hatte eine Route rund um den Col de Pigeonnier ausgesucht und damit ein sehr glückliches Händchen bewiesen. Die Strecke ging auf wunderschönen Wegen durch Mischwälder mit Ausblicken in die Vogesen, der Wald leuchtete in sämtlichen Herbstfarben und er bot noch weitere Attraktionen: da wachsen jede Menge Eßkastanienbäume, die kürzlich ihre stachligen Früchte abgeworfen hatten.
Wir richteten den Blick gen Boden und sammelten unglaublich viele Maronen. Dann setzte plötzlich Herr T.K. seinen gefürchteten Pilzsammelblick auf - er hatte den ersten Steinpilz entdeckt. Frau I.L. kramte eine Stofftasche hervor und zückte ihr Opinel, und dann gaben wir zu dritt das Trüffelschwein und suchten Pilze am Wegesrand. Nach relativ kurzer Zeit freute ich mich mächtig, selbsttätig meinen ersten Steinpilz gefunden zu haben - beim Abschneiden stellten wir leider fest, dass es bloß ein Hexenröhrling war. Später hab ich aber doch noch einen "Stein" entdeckt.
Die Wanderung, deren Dauer wir mit ca. 2 Stunden angesetzt hatten, war durch die Pilz- und Maronensammelei erst nach 3 Stunden zu Ende. Die Ausbeute war recht beachtlich und umfasste Stein- und Birkenpilze sowie Maronen (Pilze). Und natürlich Maronen (vom Baum).

Pilze, Maronen und Wanderschuhe wurden verstaut; und wir fuhren zunächst zu einem Supermarkt in Woerth. Neun Leute, die gern gut essen, verursachten größere Lücken in den Rillette-, Paté-, und Senfregalen. Die Käsetheke sowie das Weich- und Frischkäse-Sortiment hatten die größten Verluste zu verkraften, und in dem Kühlregal, das einst die Cremé Bruleé- und Cremé Caramel-Vorräte beherbergt hatte, herrschte nach unserem Besuch gähnende Leere.   

Gegen 18 Uhr erreichten wir den Schlemmertempel und bezogen die Zimmer. Auch in den letzten beiden Jahren blieben sie von Renovierungen unberührt, wie schon seit etwa 1968. Herrn Dinktocs und mein Zimmer war in Bleu gehalten, mit Blümchentapete mit Kornblumen, nebenan klebte Ähnliches in Rosa an der Wand.
    
Die Nachttischlampe in unserem Raum stammte vermutlich noch aus der Präsidentschaft de Gaulle. Aber wir waren ja nicht im Auftrag eines Hotelzimmerbewertungsportals unterwegs. Wir wollten essen. Und das taten wir dann ab 19 Uhr etwa viereinhalb Stunden lang.
Wie damals war der Tisch mit einem Sammelsurium von Gläsern und Besteck gedeckt; und es war noch genauso stimmig.
    

Mit dem Aperitif, wahlweise Crémant, Campari, Kir Royal oder Martini, kam der Gruß aus der Küche: diesmal frisches Bauernbrot mit etwas Käse überbacken und knusprigen Speckwürfeln obendrauf.
    
Der erste Gang war gleich ein Paukenschlag. Jakobsmuscheln mit scharfer Chorizo in Kürbiscreme. Dazu einen Elsässer Riesling. Wir leckten uns die Lippen und bis zum letzten Tropfen die Sauce von der Gabel. Anschließend kam eine Gemüse-Velouté auf den Tisch.
        
Dritter Gang: Fisch. Gedünstetes Kabeljaufilet mit Zitronen-Pfeffersauce und frischem Spinat. Wir folgten der Empfehlung der Kellnerin und tranken einen weißen Bordeaux dazu. Der Wein war der Hammer, schmeckte hervorragend zum ebenso hervorragenden Fisch, und war genauso hervorragend geeignet, die Wartezeit bis zum nächsten Gang zu überbrücken.
       
Das war ein Pflaumensorbet, serviert mit einem Schuß Crémant obendrauf, fruchtig-lecker und zur Zwischenkühlung geeignet. Inzwischen war uns von Wein, Essen und viel Gelächter nämlich ordentlich warm geworden.
Der fünfte Gang. Traditionell ein Fleischgericht. Diesmal kam ein Perlhuhn angeflogen, mit Gänselebersauce, dazu Gratin Dauphinois und Herbstgemüse. Getränk: ein Broilly, ein kräftiger Rotwein. Danach waren wir so ziemlich satt.
        
Aber, wie wir alle wissen: ein Nachtisch geht immer. Es kam was mit Äpfeln. Noch warmer Blätterteig mit hauchdünnen Apfelscheiben, Karamellsauce, Vanilleeis. Sehr lecker und final sättigend. Die spärlichen Lücken füllten wir mit flüssigem Obst, einem Digestif aus Mirabellen, Quitten oder Pflaumen. Inzwischen war es beinahe Mitternacht. Wir fielen in die Betten im Blümchenzimmer und schliefen den Schlaf der Vollgefressenen.

Sonntag morgen gab's Frühstück frongsösisch. Frisches Baguette, hausgemachte Quittenkonfitüre, Käse, Salami, Wurst. Für jeden ein Spiegelei, und wie in diesem Lokal Essen zelebriert wird, mag man allein daran ablesen, dass die Salatblattdekoration nicht etwa trocken daherkam, sondern einen Klecks sehr schmackhafter Vinaigrette, offenbar mit Senf und Walnussöl zubereitet, aufwies. Wir waren schon wieder fürchterlich satt.
 

Das hielt uns allerdings nicht davon ab, den beiden Dorfbäckern einen Besuch abzustatten. Zwei Bäckern deshalb, weil der erste nicht mehr genug Eclairs hatte, um die neunköpfige deutsche Raupe zufriedenzustellen. Als wir durch waren, hatte auch der zweite Bäcker keine Eclairs mehr in der Auslage.

Die Heimfahrt traten wir mit dem beruhigenden Gefühl an, dass selbst die langwierigste Panne an der dunkelsten Stelle des Pfälzerwaldes uns nichts würde anhaben können, denn mit einem Kofferraum voller Essen war für ausreichend Proviant gesorgt.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Rücksturz in die 80er


Vor ein paar Monaten beschloss ich in einem Anfall von Wahnsinn, es wäre eine gute Idee, wieder mit dem Rollschuhlaufen anzufangen. Je oller, je doller! Vor dreißig Jahren hatte ich das mal sehr gern gemacht.
Gesagt, gegoogelt und im Internet fündig geworden. Ich wollte nämlich keine Inliner - auf diesen Geräten sind die Füße immer leicht nach innen geneigt, jedenfalls bei mir, und das geht mir heftig auf die Knöchel. Es mussten also die guten alten Rollerskates sein, die heutzutage "Quads" heißen. Trotz des neumodischen Namens ist das Design sehr 80er Jahre, aber so was von: das schlußendlich bestellte Paar Rollschuhe ist leuchtend rosa-lila-Türkis, zählte aber noch zu den dezenteren Stücken des Angebots.


Die Rollschuhe wurden geliefert, ich zog sie frohgemut an und startete ein bisschen Testgerolle im Hof. Dabei kam ich mir vor wie ein flugunfähiger adipöser Vogel mit Gleichgewichtsstörungen. Ich fühlte mich entsetzlich unsicher, schimpfte mich selber aus ob dieser Schnapsidee und stellte die Rollschuhe erst mal wieder in die Ecke.
Ab und an dachte ich "du musst das noch mal probieren", aber irgendwie war nie die richtige Zeit dafür. Kürzlich, Pfingstsamstag, beschloss ich spontan, dass JETZT die Zeit sei. Und was soll ich sagen: ich fühlte mich sofort viel besser und sicherer auf den Rollschuhen, rollte ganz ordentlich hin und her und wollte mehr. Herr Dinktoc war bereit, mich mit dem Rad zu begleiten und ggf. erste Hilfe zu leisten. Wir fuhren zum großen Schulparkplatz etwa 300m entfernt, da ist glatter Asphalt und reichlich Platz, um hinzufallen. Was ich anfangs auch regelmäßig tat, allerdings immer auf den Hintern, so dass die eigens miterworbenen Protektoren für Knie, Ellbogen und Handflächen geschont wurden.
Seither bin ich mindestens jeden zweiten Tag eine Runde gefahren. Allmählich stellt sich die richtige Körperhaltung wieder ein (anfänglich hatte ich Schmerzen in der Rückenmuskulatur durch offenbar verkrampfte Oberkörperhaltung) und streckenweise, na gut, kurzstreckenweise, kommt auch das schöne Gefühl des mühlelosen Gleitens wieder, das ich damals schon so mochte. Fazit: Rollschuhlaufen macht mir wieder einen Höllenspaß!


Mittwoch, 19. November 2014

Das Schaf muss zum TÜV

Die Eifel gilt gemeinhin als wilder, unzugänglicher Landstrich mit eigensinnigen Eingeborenen, die seltsame Sitten pflegen. Insofern löste es im Dorf meiner Eltern nur mäßiges Erstaunen aus, als sich einer der Bewohner allerlei merkwürdiges Viehzeug zulegte, unter anderem auch einen höchst exotischen Vertreter der Gattung Ovis: ein Kamerunschaf.


Das Schaf wohnt in Hof und Garten, hält den Rasen kurz und vertrieb sich bisher gerne die Zeit damit, die Klappe des am Hoftor angebrachten Briefkastens mit einem seiner Hörner aufzustoßen und dann mit Kawumm wieder zuzuschlagen, und das ungefähr fünfzehnmal hintereinander. Die Nachbarschaft nahm es gelassen, und das Schaf fing darob offenbar an, sich zu langweilen. Etwas Neues musste her.
Seit einigen Wochen nun ist es so, dass die Schafbesitzerfamilie unmittelbar an den Hecks ihrer im Hof geparkten Autos mit großer Sorgfalt Gartenstühle aufstellt, und zwar direkt vors Nummernschild. Die nahe und fernere Nachbarschaft (darunter auch mein Vater) konnte sich darauf keinen Reim machen und zog mit landesüblicher Direktheit beim Besitzer Erkundigungen ein: "Hür ens! Wat soll dat dann met denne Stöhl?!"*



Des Rätsels Lösung: Das Kamerunschaf hatte eine Leidenschaft für den Klebstoff entwickelt, mit dem die TÜV-Plaketten aufs Nummernschild gepappt werden. Das Vieh schleckte so lange an den Plaketten herum, bis sie ab waren und fraß sie dann auf. Nach der zweiten gebührenpflichtigen Erneuerung der TÜV-Plaketten an drei Autos sowie den notwendigen, sowohl Unglauben als auch Heiterkeit auslösenden Erklärungen auf der Zulassungsstelle, entschloss sich der Besitzer zu den Sicherungsmaßnahmen per Gartenstuhl.
Ob nächsten Sommer die Familie auf den Gartenstühlen über den Hof verteilt sitzen wird, in trauter Eintracht mit ihrem jeweiligen fahrbaren Untersatz, wird in der Nachbarschaft mit Spannung erwartet.


*Hör mal! Was soll denn das mit den Stühlen?!

Freitag, 27. Juni 2014

Kernsaaf un' Amerika

Zum Geburtstag schenkte mir der Gatte Karten für einen Ortsrundgang unter Führung des hiesigen Heimat- und Geschichtsvereins. Der Titel "Kernseife und Amerika" klang ja schon Neugier erregend. Was soll man sich darunter vorstellen?
 
 
Das Ganze entpuppte sich als Zeitreise mit Stationen in verschiedenen Jahren zwischen 1800 und 1914. Wahre Begebenheiten aus der Ortsgeschichte wurden - von Laiendarstellern - im Kostüm und mit echten Requisiten aus dem Heimatmuseumsfundus nachgespielt, das ganze natürlich im örtlichen Dialekt. Nach zwanzig Jahren in Hessen komme ich da recht gut mit; nur bei den "historischen" Schimpfworten, die heute keiner mehr verwendet, setzt es aus. (Schade, die würde man ja sogar gelegentlich mal anwenden wollen ...).
 
Da trafen sich die Wäscherinnen mit dem Leiterwägelchen mit Waschbrett, Eimern und Kernseife am Brunnen und ratschten über den neuesten Klatsch und die geplante Eisenbahnlinie (die dann doch nicht gebaut wurde); die Auswanderer nach Amerika traten ihre Reise an. Das war seinerzeit eine Zäsur im Ort: 151 Personen gingen mit einem Schlag weg.
 

An der Hochwassermarke von 1883 wurde ausgiebig besagtes Hochwasser bejammert, als von Januar 1883 bis weit in den Frühling hinein viele Häuser fast 2 m hoch im Wasser (bzw. sogar im Eis, als es kalt wurde!) standen. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen - viele Leute sind seinerzeit verhungert, weil natürlich auch alle Wintervorräte, die eingekellerten Kartoffeln und Rüben und das Getreide vom Hochwasser vernichtet waren. Ein Teil des Viehs war ertrunken, der Rest in höher gelegenen Ortsteilen provisorisch untergebracht. Die Kirche war damals Stall für 140 Kühe. 
 
Der Anflug von Melancholie verschwand, als an der nächsten Station, einer alten Hofreite, über die hohe Steuerlast räsoniert wurde und "das Volk" darüber diskutierte, es den Franzosen in Sachen Revolution gleichzutun. Der Erläuterung des Steuersystems um 1800 lauschten alle aufmerksam, bis die Hofkatze auftauchte, wohlwollend ihr Publikum zur Kenntnis nahm, hier und da sich huldvoll streicheln ließ, um sich dann auf den sonnengewärmten Platten auszubreiten.
 
 
An der letzten Station, am alten Rathaus, kam der Amtsdiener mit der Glocke, um die amtlichen Neuigkeiten bekanntzugeben. Die Gerichtsverhandlung anläßlich der Schlägerei auf der letzten Kirmes wurde angekündigt und vom versammelten "Volk" gewohnt bissig kommentiert.
 

Zum Ausklang gab es "Weck, Worscht un Bier" und ausgiebige Schwätzchen im Hof des Heimatmuseums. Drei Stunden waren vorbei wie nix, als wir wieder zu Hause waren. Ein schönes Geburtstagsgeschenk, danke!
 

Donnerstag, 12. Juni 2014

An der schönen blauen Donau

Dieses Internet ist, man glaubt es kaum, voll von Menschen. Und viele davon sind - entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass das Internet böse sei - nette, normale, bestenfalls auf eine nett-normale Art bekloppte Leute. Da gibt es zum Beispiel jene, die für ihre Katzen (oder Hunde, Kaninchen, Plüscherdferkel ...) eigene Twitteraccounts einrichten, auf denen sie ihre Viecher dann miteinander kommunizieren lassen. Das kann unglaublich lustig sein; und weil Menschen nun mal so sind, wie sie sind, wollen sie irgendwann den Menschen hinter der Katze kennenlernen und verabreden Treffen im wahren Leben.
 
Das Ganze taufte man "Twitterkatzendositreffen" (TKDT) und nannte es eine Fortbildungsveranstaltung, vermutlich, um all den Katzen die mehrtägige Abwesenheit ihrer Dosenöffner zu erklären und von den Samtpfoten eine Reiseerlaubnis zu erhalten. Das diesjährige TKDT fand über Pfingsten in Wien statt und Herr Dinktoc und ich waren erstmals als gehorsame Sektretäre des @kater_leopold dabei.
 


 
 
 
Wien begrüßte uns mit Sonne satt. Das und die Fortbildungsmaßnahmen, wie beispielsweise Besuche im Tierpark, im Prater, in der Hofburg waren doch sehr anspruchsvoll und erschöpfend und so mussten ausreichend Pausen zur Regeneration eingelegt werden, was in diversen Kaffehäusern bei hausgemachter Limonade oder auch beim Heurigen in Ottakring vorzüglich gelang. Es wurde nur immer furchtbar spät dabei. Aber als leidgeprüfter Dosenöffner ist man es ja gewohnt, klaglos Opfer zu bringen.
 
Ein sehr wichtiger Tagesordnungpunkt war zweifellos der Besuch im Katzencafé (Café Neko), wo wir bei frisch gepresstem Orangensaft ein Spezialseminar zur Verbesserung unserer Pelzkraultechnik belegten. Katze Momo übernahm schnurrend und schoßliegend die Einweisung in die Praxis.
 
 
Das Schöne an diesen Internet-Treffen ist ja, dass man von vornherein wenigstens ein Gesprächsthema hat und sich nicht erst gegenseitig  mit manchmal etwas gequältem Smalltalk 'abtasten' muss. Sehr schnell führt der Weg zu allen möglichen anderen Themen und ruck-zuck hat man was über bis dato ungeahnte Sachverhalte gelernt.

Zum Beispiel weiß ich jetzt, wie man eine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn in der Wüste so baut, dass das Dehnen und Zusammenziehen der Gleise aufgrund der großen Temperaturschwankungen ausgeglichen werden kann; was es mit dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz von 1919 auf sich hat; und dass man - wie ein berühmtes Erdferkel es in Theorie und Praxis feststellte - (Zitat) "von grünem Veltliner auch blau werden kann".
In diesem Sinne: es waren wunderbare Tage in Wien (danke schön noch mal den Organisatoren: ihr habt euch eine Menge Mühe gemacht!), wir hatten viel Spaß mit netten Leuten und freuen uns jetzt schon auf das TKDT2015.