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Mittwoch, 19. November 2014

Das Schaf muss zum TÜV

Die Eifel gilt gemeinhin als wilder, unzugänglicher Landstrich mit eigensinnigen Eingeborenen, die seltsame Sitten pflegen. Insofern löste es im Dorf meiner Eltern nur mäßiges Erstaunen aus, als sich einer der Bewohner allerlei merkwürdiges Viehzeug zulegte, unter anderem auch einen höchst exotischen Vertreter der Gattung Ovis: ein Kamerunschaf.


Das Schaf wohnt in Hof und Garten, hält den Rasen kurz und vertrieb sich bisher gerne die Zeit damit, die Klappe des am Hoftor angebrachten Briefkastens mit einem seiner Hörner aufzustoßen und dann mit Kawumm wieder zuzuschlagen, und das ungefähr fünfzehnmal hintereinander. Die Nachbarschaft nahm es gelassen, und das Schaf fing darob offenbar an, sich zu langweilen. Etwas Neues musste her.
Seit einigen Wochen nun ist es so, dass die Schafbesitzerfamilie unmittelbar an den Hecks ihrer im Hof geparkten Autos mit großer Sorgfalt Gartenstühle aufstellt, und zwar direkt vors Nummernschild. Die nahe und fernere Nachbarschaft (darunter auch mein Vater) konnte sich darauf keinen Reim machen und zog mit landesüblicher Direktheit beim Besitzer Erkundigungen ein: "Hür ens! Wat soll dat dann met denne Stöhl?!"*



Des Rätsels Lösung: Das Kamerunschaf hatte eine Leidenschaft für den Klebstoff entwickelt, mit dem die TÜV-Plaketten aufs Nummernschild gepappt werden. Das Vieh schleckte so lange an den Plaketten herum, bis sie ab waren und fraß sie dann auf. Nach der zweiten gebührenpflichtigen Erneuerung der TÜV-Plaketten an drei Autos sowie den notwendigen, sowohl Unglauben als auch Heiterkeit auslösenden Erklärungen auf der Zulassungsstelle, entschloss sich der Besitzer zu den Sicherungsmaßnahmen per Gartenstuhl.
Ob nächsten Sommer die Familie auf den Gartenstühlen über den Hof verteilt sitzen wird, in trauter Eintracht mit ihrem jeweiligen fahrbaren Untersatz, wird in der Nachbarschaft mit Spannung erwartet.


*Hör mal! Was soll denn das mit den Stühlen?!

Freitag, 16. November 2012

Weltrettung. Mal wieder.

Herr Dinktoc und ich arbeiten in der gleichen Firma. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass ich meist weiß, was Herr D. treibt, wenn er mal wieder in der Weltgeschichte unterwegs ist. Der Nachteil ist, dass die Kollegen wissen, dass ich das weiß, und bei mir anrufen, wenn sie dringend was von Herrn D. wollen.

Gestern also meldete sich eines unserer Büros in Balkanistan: der Kunde benötige allerdringendst die Unterschrift Herrn Dinktocs auf einem superwichtigen Dokument. Und niemand anderer kann unterschreiben, weil Herr D. der von Kunde, Geldgeber und vermutlich auch vom lieben Gott persönlich anerkannte und bestätigte Spezialexperte in diesem Projekt ist. Und es wird selbstverständlich die Originalunterschrift benötigt. Leider befindet sich aber Herr D. noch auf Dienstreise im Vorderen Orient und kommt erst heute am späten Abend nach Hause. Darob ward beim Kunden ein Heulen und Zähneknirschen und der baldige Untergang des Projekts prophezeit. Was also tun? 

Zum Glück gehört Weltrettung zu meinen Kernkompetenzen. Es fiel mir wieder ein, dass ein Kollege vom Balkanistaner Büro zur Zeit auf einer Schulung ist und Samstag, also morgen, von Frankfurt zurück nach Balkanistan fliegen würde. Er wurde kontaktiert und eine Übergabe am Frankfurter Flughafen vereinbart.

Der Kunde wurde genötigt, mir die zu unterschreibenden Dokumente per E-mail zu schicken, auf dass ich sie hier im Büro ausdrucke und sodann nachher mit nach Hause nehme. Außerdem, nach telefonischer Konsultation mit Herrn Dinktoc über den Aufbewahrungsort, begab ich mich in sein Büro, um die Insignien seiner Herrlichkeit und seines Spezialistentums aus der Schreibtischschublade zu entnehmen: die Stempel. Ohne die richtigen Stempel (3 Stück! Drei!) gelten auch die speziellsten Spezialexpertenunterschriften nichts.

Auch die Stempel werde ich mit nach Hause nehmen, auf dass Herr Dinktoc am frühen Samstagmorgen in hoffentlich ausgeschlafenem Zustand die allerhöchstwichtigen Dokumente unterschreiben und stempeln kann.  Samstagnachmittag fahren wir dann die 20 km zum Flughafen, um dem Kollegen die Unterlagen in die Hand zu drücken, damit der Kunde sie schließlich Samstagabend in Balkanistan auf dem Tisch hat.

Unternehmen Weltrettung mal wieder erfolgreich bewältigt. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mich kratzen gehen: die Engelsflügelansatzstellen jucken nämlich.
  

Montag, 21. November 2011

Abwarten und Tee trinken (Arabische Variante)

Herr Dinktoc ist wieder auf Dienstreise in Arabistan unterwegs und hatte vergangenen Donnerstag das Pech, dass sein Mietwagen aufgebrochen und aus dem Kofferraum der Laptop gestohlen wurde. Im folgenden blogge ich hier seinen (leicht redigierten, weil anonymisierten) Originalbericht:

Der Gang zur Polizei war etwas kompliziert. Wie man sich den Gang zur Amtstube so gerne vorstellen mag. Auf Arabisch. Habibi ohne Bakschisch. Aber dafür mit Analog-Notebook und -Datenbank Schreibblock und Kugelschreiber. Also ....

Am Donnerstag war man ja nicht in der Lage gewesen, mir einen Polizeibericht zur Diebstahlsanzeige mitzugeben. Musste Samstag morgen erst versuchen, bei meinem Kunden jemanden zu finden, der mich dorthin begleitet und für mich dolmetscht. Der war nicht so leicht zu finden, weil man mit der Polizei möglichst nichts zu tun haben will und mein Counterpart sich mit der irren Begründung aus der Affäre zog, man habe ja die eigene Bahnpolizei und dürfe deshalb nicht mit der normalen Polizei reden. Ah jetzt ja.

Ich musste den Kollegen W.S. aktivieren, der wiederum einen guten Draht zum Direktor Maintenance hat. Dort musste ich dann auch selbst nochmal antreten und meine Bitte vortragen. Er war da aber offen und hilfsbereit und schickte einen seiner Mitarbeiter mit, der a) etwas Englisch kann, und sich b) in K. (wo der Autoaufbruch passiert war) auskennt. Englisch konnte er wirklich nur etwas, aber mit meinen paar Brocken Arabisch und Französisch haben wir uns gut verständigen können.

Zur Polizeiwache lotste er mich dann auch recht schnell und ohne Umweg. Dort ging es dann ins Gefecht, durch alle Instanzen einer Behörde:

Erstes Büro 
Was wollen Sie? - Den Polizeibericht.

Zweites Büro
Junger Polizeibeamter sprach:  "Ich soll einen Bericht haben?" Schaun mer mal in der Analog-Berichtsdatenbank, die sich über mehrere mannshohe Stapel seines Schreibtischs verteilte. Aber er war ein guter File Manager, fand die Akte "Almani Computer geklaut" recht schnell und zwar ohne die Stapel einstuerzen zu lassen. Ich war beeindruckt, dann aber erklärte er sich für weiter nicht zuständig.

Drittes Büro
Wir kommen mit der Akte herein. Ein älterer Beamter. Nach einiger Diskussion hat der sich dann entschlossen, das Berichtsformblatt zur Anzeige auszufüllen, was auch etwas dauerte, ich glaube zwei Tassen Tee waren es, die er dabei trinken musste. Es ist ja ganz schön frisch geworden hierzulande - nur noch 25 Grad. Da friert man im Büro.

Viertes Büro
Beim Grossen Chef der Polizeistation. Der war gerade beschäftigt, weil der Schneider seine Uniformhose am Nähen war. Ich vermute, der Chef saß nur mit Unterbux hinter seinem Chefpult. Brauchte auch einen Tee, um seine Unterschrift zu stempeln.

Fünftes Büro
Die Registratur. Der Bericht musste ja noch ins Ausgangsbuch eingetragen werden.

Sechstes Büro
Ein teetrinkender Beamter musste noch seinen Ausgangsstempel auf den Bericht draufmachen.

Siebtes Büro
Ein Ermittlungsbeamter verkündete, bei mir "heute noch" anzurufen, wenn mein Rechner wieder aufgetaucht ist.

Achtes Büro 
Da mussten wir dann doch nicht mehr rein und konnten gehen.

Jetzt habe ich mal hautnah erlebt, was das schöne Sprichwort "Abwarten und Teetrinken" in Arabistan bedeuten kann. Alles in allem hat es gut zwei Stunden Zeit gekostet, um einen arabischen Bericht auf einer DIN A4 Seite mit Stempel und Unterschrift zu bekommen. So gehen Samstage auch rum. Hamdulillah.

Donnerstag, 15. September 2011

Die Farbe von Strom? ZORNROT!

Herr Dinktoc liest regelmäßig den Stromzähler ab und teilt unserem Stromanbieter online den Zählerstand mit. Nichtsdestotrotz liegt ebenso regelmäßig eine Karte im Briefkasten, ein Ableser sei da gewesen, habe niemanden angetroffen (wie denn auch mitten an einem Werktag!) und würde zwei Tage später wiederkommen, zwischen 14 und 16 Uhr, wenn natürlich wieder niemand zu Hause sein wird. Alternativ kann man eine Handynummer anrufen, um den Zählerstand durchzugeben, oder eine Festnetznummer mit Anrufbeantworter, bei dem man sein Sprüchlein loswerden kann.
Vorgestern war es mal wieder so weit. Karte im Briefkasten mit der Ankündigung, heute wiederzukommen. Frau Dinktoc liest also gestern den Zähler ab, ruft den Anrufbeantworter an, sagt Name, Adresse, Zählernummer und -stand, weist darauf hin, dass sie heute nicht zu Hause sein wird und hinterlässt auch noch ihre Handynummer für allfällige Rückfragen. Natürlich findet sie heute trotzdem eine Meckerkarte im Briefkasten, dann müsse man ggf. den Verbrauch eben schätzen.
Mit bedenklich geschwollener Halsschlagader ruft Frau Dinktoc die Handy-Nummer an. Tut-tut-tuuuut "Zur Zeit ist niemand erreichbar. Sie können nach dem Ton eine Nachricht hinterlassen." Doch leider folgt kein Ton, sondern nach ein paar Sekunden Stille die englische (!) Durchsage "The Mailbox is Full. Please try again later." Die Halsschlagader changiert ins Dunkelblaue, als Frau Dinktoc den Anrufbeantworter anruft und dabei in Gedanken schon mal einen Text formuliert, der die elektronischen Ohren hätte erröten lassen. Auch hier aber kommt sofort die Ansage, das Band sei voll, danach wird die Verbindung abgebrochen. Die Halsschlagader zeigt erste Anzeichen eines Aneurysmas. Im Internet findet Frau Dinktoc die "Servicenummer" des eigentlichen Stromanbieters heraus, denn natürlich ist die Ablesefirma nur der Subunternehmer eines Tochterunternehmens des Stromanbieters, der übrigens der öffentlichen Hand (also auch mir!) gehört. Der Anruf dort bringt genau gar nichts, denn, man ahnt es, eine Bandansage teilt mit "Leider rufen Sie außerhalb der Geschäftszeiten an". Sonst nichts.
Während der Geschäftszeiten, also vermutlich am fünften Tag nach Vollmond zwischen 7 und 7.30 Uhr, wird Frau Dinktoc dort nicht anrufen können, sie muss ihre geplatzte Halsschlagader frisch verbinden. Sollen diese Vollpfosten sich doch einen Zählerstand ausdenken.

Der glückliche Rechtsanwalt

Heute morgen mitgehört - ein Anwalt telefoniert:
"... och, mir geht es gut. Die Sonne scheint, und das Hauptverfahren wird eröffnet!"

Mittwoch, 6. April 2011

Bürohengst goes Botanik

Eine Niederlassung der Firma wird demnächst in ein anderes Bürogebäude umziehen. Heute gab es Infos zum neuen Standort, es war durchaus viel Praktisches dabei, aber pures Kabarett durfte nicht fehlen:

(...) Für das gesamte Gebäude ist ein Pflanzenkonzept erstellt worden. Alle Flächen werden mit unterschiedlichen Pflanzen ausgestattet. Die Aufstellung durch ein Fachunternehmen erfolgt in zwei Schritten:

Schritt eins:
Nach Einzug werden die einzelnen Etagen mit einer Grundausstattung von Pflanzen bestückt.

Schritt zwei:
Das Fachunternehmen stellt weitere Pflanzen zur Verfügung. Bei der Auswahl dieser Pflanzen sowie deren Standorte können sich die Mitarbeiter beteiligen.

Persönliche Pflanzen können durch Mietpflanzen ersetzt werden.

Die Pflanzen unterliegen einer Vollbetreuung und bedürfen keiner Pflege durch die Mitarbeiter.

Da der Dienstleister keine Gewährleistung für private Pflanzen übernimmt (z. B. bei Schädlingsbefall), soll die Zahl privater Pflanzen minimiert werden. Die Größe der privaten Pflanze ist auf 45 cm begrenzt (1 Pflanze pro Mitarbeiter). Private Bodenpflanzgefäße sind nicht gestattet (...).

Folgende Fragen kam mir spontan in den Sinn: Wer denkt sich sowas aus? Wie lange liegt seine Hirnverpflanzung zurück?! Wird ein gewöhnlicher Blumenübertopf, wenn man ihn auf den Boden stellt, zum Bodenpflanzgefäß? Und was passiert, wenn die eine private Pflanze entgegen allen Bürogesetzmäßigkeiten wächst und gedeiht und 45 cm Größe überschreitet? Meinen die mit den 45 cm Höhe, Umfang oder Durchmesser? Wird es auch noch ein Schnittblumenkonzept geben, unter besonderer Berücksichtigung des Geburtstages der Chefsekretärin? Findet das außer mir noch jemand lustig?

Donnerstag, 17. Februar 2011

Lebenslänglich

Vor etlichen Jahren haben wir einige Aktien gekauft - als ganz Deutschland Aktien kaufte - und zur Verwaltung derselben ein Aktiendepot bei einer damals ganz jungen Internetbank eröffnet. Die Internetbank machte Werbung für "lebenslang gebührenfreie Depotführung". Gemeint war in der Tat die Lebensdauer der Depotinhaber und nicht etwa die der Bank.
Das erwies sich als segensreich, als die Internetbank von einem Großen Deutschen Geldinstitut (GDG) geschluckt wurde. Man schickte uns einen Brief mit der Information, die Bank sei verkauft, und ab dem nächsten Ersten gälten die folgenden Gebühren ... Wir schrieben zurück, dass wir davon ausgingen, als Rechtsnachfolgerin der Internetbank habe das GDG die bestehenden Verträge schließlich übernommen und solle sich bitte auch daran halten. Es folgte die zähneknirschende Bestätigung durch das GDG. Man muss halt mit ein paar juristischen Fachbegriffen herumwerfen, dann hält einen die Bank in diesen Dingen für beschlagen und lässt einen in Ruhe.
Bis auch das GDG vor ein paar Monaten verkauft wurde an ein Anderes Großes Deutsches Geldinstitut (AGDG). Das teilt uns nun mit, im Zuge der Vereinheitlichung der Gebührenordnung der beiden Häuser sei man leider gezwungen, ab dem nächsten Ersten die folgenden Gebühren zu erheben ...
Wir gruben unseren alten Brief aus, aktualisierten Datum und Banknamen, formulierten den pompösen Satz mit der Rechtsnachfolge noch ein bisschen schnittiger und schickten das Werk gestern ab. Auf die Antwort des AGDG bin ich gespannt. Sie probieren es doch immer wieder, die Herren Geldgräber.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Zahlen malen (für Herrn Dinktoc)

Es war einmal ein alter Mann,
der zählte ohne Ruh,
er zählte dies, er zählte das,
er zählte immerzu.
Er zählte Käfer, Spatz und Wurm,
So eins, zwei, drei und vier.
Und trottete ein Stier vorbei,
dann zählte er den Stier.
Er zählte auf der Wiese gar
die Blumen und das Gras,
so dass er abends zittrig war
und müde wie nur was.
Du fragst mich, warum zählte er
bei Regen, Sonn' und Wind?
Weil er ein bisschen komisch war,
mehr weiß ich nicht, mein Kind!
o
("Der komische Alte", von James Krüss, aus dem Buch "Mein Urgroßvater und ich")

Herr Dinktoc befindet sich mal wieder auf der anderen Seite des Mittelmeeres. Und zählt. Da sind gut dreißig Container mit allem möglichen Bahnbaumaterial angekommen und jetzt muss geprüft werden, ob die Lieferung vollzählig ist. Dafür wird natürlich ein ausgewachsener Ingenieur benötigt, der die Lizenz zum Stempeln hat und bescheinigen kann, dass der örtliche Zählknecht alle Lieferlisten mit den tatsächlich gelieferten Kartons in Übereinstimmung gebracht, selbige Kartons geöffnet und den Inhalt auf Vollständigkeit geprüft und nicht nur festgestellt hat, dass tatsächlich die behaupteten 25 Plastiktütchen mit je 45 Kabelbindern in dem Karton sind, sondern auch jedes einzelne Plastiktütchen geöffnet und fünfundzwanzigmal bis fünfundvierzig gezählt hat.
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Herr Dinktoc ist beinahe so weit, dass er beim Abendessen die Erbsen auf seinem Teller zählt.

Vielen Dank, Herr Westerwelle,

für Ihre einfache und gerechte Steuerreform, die mir per Januar-Gehaltsabrechnung netto 6 Euro (in Worten: sechs) mehr aufs Konto spült. Ich wusste mich vor Freude kaum zu lassen und dachte schon intensiv über die vielfältigen Möglichkeiten nach, diese fürstliche Summe zu verprassen. Dann fiel mir auf, dass ich ab diesem Monat 13 Euro mehr Sozialabgaben zu zahlen habe. Per Saldo ergibt das - na?! Aber dafür können Sie, Herr Westerwelle, natürlich nichts. Sie sind ja nur für, Verzeihung, gegen die Steuern zuständig.

Mittwoch, 8. September 2010

Anzeige der abschließenden Fertigstellung

Ja, genauso heißt das.
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Damals, als die Maurer und die Dachdecker ihre Arbeit getan hatten, mussten wir dem Kreisbauamt ja schon einmal so einen Wisch schicken, die "Rohbaufertigstellungsanzeige" nämlich.
d
Heute bekamen wir vom Architekten den Vordruck zur "Anzeige der abschließenden Fertigstellung", mit dem die Behörde informiert werden will, wann die Hütte fertig sein wird bzw. fertig geworden ist; außerdem müssen wir mit Unterschrift bestätigen, dass wir "die bauliche Anlage gemäß §74 Abs. 7 HBO erst benutzen bzw. benutzen lassen, wenn sie sicher benutzbar ist. [Uns] ist bekannt, dass Verstöße Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich ziehen können".
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Ich erbebe vor Ehrfurcht und werde mit zitternder Hand die Unterschrift leisten! - und hoffen, dass dies das letzte Wiehern des Amtsschimmels im Zusammenhang mit dem Hausbau war.

Donnerstag, 19. August 2010

Notizen aus der Servicewüste (2)

Wer umzieht, muss die Änderung der Adresse bei ungefähr drei Dutzend offiziösen Stellen melden. Da ist man für jede Arbeitserleichterung dankbar. Unsere Bank zum Beispiel bietet auf ihrer Online-Banking-Website auch eine Rubrik "Adressänderung" an. Herr Dinktoc änderte und hielt die Sache für erledigt.
o
Am 13.8. bekamen wir den ersten Brief von der Bank:
Sehr geehrte Frau Dinktoc, sehr geehrter Herr Dinktoc,
leider können wir Ihren Auftrag nicht durchführen, weil der
Auftrag nicht rechtsverbindlich unterschrieben wurde. Wir bitten um Ergänzung
und Rücksendung der beigefügten Anlage.
Mit freundlichen Grüßen, Team Kontoführung
u
Am 16. August kam der zweite Brief:
Sehr geehrte Frau Dinktoc, sehr geehrter Herr Dinktoc,
leider können wir Ihren Auftrag nicht durchführen, da wir für
eine Anschriftenänderung unbedingt die Unterschriften aller Kontoinhaber
benötigen. Bitte senden Sie den beigefügten Auftrag von beiden Kontoinhabern
unterschrieben an uns zurück. Bis dahin bleibt Ihre bisherige Anschrift für alle
Ihre Konten gültig.
Mit freundlichen Grüßen, Team Kundenbetreuung
u
Die Anlage war jeweils das gleiche Formular "Blödbank Serviceblatt Kontoführung". Einmal immerhin teilweise ausgefüllt mit unseren alten Adressdaten, einmal blanko. Offensichtlich sollten wir nicht nur unterschreiben, sondern auch die neue Adresse ergänzen. Beide Briefe waren aber bereits an unsere neue Adresse geschickt worden. Ich wähnte mich in Absurdistan und verfasste folgende Antwort:
An die Blödbank, Team Kundenbetreuung / Team Kontoführung
Sehr geehrtes Team Kundenbetreuung, sehr geehrtes Team
Kontoführung,
anbei erhalten Sie, wie in Ihren beiden annähernd
gleichlautenden Schreiben vom 13. und 16. August erbeten, das "Blödbank
Serviceblatt Kontoführung" ergänzt bzw. unterschrieben zurück, damit unser
Auftrag bearbeitet werden kann.
Wir finden es allerdings ein wenig verwunderlich, dass Sie
einen Online-Service zur Adressänderung anbieten, wenn dieser rechtsverbindlich
gar nicht durchgeführt werden kann; nichtsdestotrotz die Änderung in Ihrer
Adressdatenbank bereits vor unserer Unterschrift erfolgt sein muss,
sonst hätten wir Ihre Anschreiben ja nicht an der neuen Adresse erhalten.
Mit verwirrten, aber dennoch freundlichen Grüßen
Herr und Frau Dinktoc
u
Auf die Reaktion darf man gespannt sein.

Notizen aus der Servicewüste (1)

Kurz vor dem Umzug stellten wir einen Nachsendeantrag bei der Post und zahlten dafür 15, in Worten fünfzehn, Euro Gebühr. Die schriftliche Bestätigung der Post, dass ab dem 7.8. die Nachsendung erfolgen würde, lag am 9.8. im Briefkasten an der alten Adresse.

Donnerstag, 22. Juli 2010

"Bitte Briefkasten anbringen!"

Das stand handschriftlich auf einem der beiden Umschläge, die der Briefträger gestern am Haus hinterlassen hat, beschwert mit einem Stein von der Baustelle. Hat ja eigentlich recht, der gute Mann - wir haben nur noch keinen Briefkasten angeschraubt, weil erstens der Kasten sofort mit Werbung vollgestopft wird und wir zweitens noch gar nicht dort wohnen.
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Dies hat aber unseren Küchenlieferanten nicht davon abgehalten, die Rechnung an die Lieferadresse zu schicken (man sollte mal beim Berufsschulverband nachfragen, warum die heutzutage ihren kaufmännischen Lehrlingen nicht mehr den Unterschied zwischen Rechnungs- und Lieferadresse beizubringen in der Lage sind!); ebensowenig wie die Versicherung, die die Bestätigung über den Abschluss der neuen Hausratversicherung auch an die neue Adresse gesendet hat, obwohl der Versicherungsfritze am allerbesten wissen müsste, dass wir dort noch nicht wohnen, weil die Versicherung erst ab dem 1. August gilt (und unsere jetzige Adresse ist ihm wohlbekannt, denn wir sind seit über zehn Jahren bei ihm Kunde).

Donnerstag, 1. Juli 2010

Beglaubigte Überdosis

Heute flatterte ein Vorgang über meinen Schreibtisch (zum Glück nur vertretungsweise, jeden Tag würde ich das nicht aushalten!), das glaubt man nicht. Da geht ein Mitarbeiter in ein Projekt in fernem, fremdem Land und die Geschäftsführung stellt einen "Authorization Letter" aus, in dem sie bestätigt, dass der Mitarbeiter berechtigt ist, im Namen der Firma dort tätig zu werden. Datum, Unterschrift. So weit, so gut.
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Dann kam der Notar und beglaubigte, dass die Geschäftsführung berechtigt war, dem Mitarbeiter den Brief auszustellen. Dann kam das Landgericht und beglaubigte, dass der Notar berechtigt war, die Unterschrift der Geschäftsführung zu beglaubigen. Dann kam das Bundesverwaltungsamt zu Köln, im Namen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, und beglaubigte, dass die Frau Landgerichtspräsidentin tatsächlich die Frau Landsgerichtspräsidentin ist und als solche berechtigt, zu beglaubigen, dass der Notar berechtigt ist, zu beglaubigen, dass die Geschäftsführung berechtigt ist, einen Authorization Letter auszustellen.
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Dann kam der Vorgang auf meinen Schreibtisch, weil: das Ganze muss jetzt noch zur Botschaft des fernen, fremden Landes geschickt werden (und das hatte ich der urlaubenden Kollegin versprochen, damit es nicht noch mehr Verzögerung gibt), denn - damit die Behörden im fernen, fremden Land dies auch glauben - die Botschaft muss noch überbeglaubigen, dass das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland in Gestalt des Bundesverwaltungsamts zu Köln berechtigt ist, zu beglaubigen, dass die Frau Landgerichtspräsidentin usw. usf.
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Da fleht ja selbst der gemeine deutsche Amtsschimmel um Gnade.

Montag, 17. Mai 2010

Meilenstein


Das Gerüst ist endgültig abgebaut (pünktlich, zum Glück, denn die von der Gemeinde - gegen Gebühr natürlich! - erteilte Gerüst-Standgenehmigung galt bis zum 14.05.). Die Fassade ist fertig, die Jalousien sind eingebaut, die Dachrinnen fest. Ein riesengroßer Batzen der Bauarbeiten ist geschafft. Jetzt müssen wir uns "nur noch" um den Innenausbau kümmern.
*freu* - *einmaltiefdurchatmen* - weiter geht's!

Montag, 26. April 2010

Grenadine 100 ...

.... ist der Name des Farbtons, der mir entfallen war. Im Bild oben ganz rechts (links: Apricot, Mitte: Magma) zu sehen. Und es ist auch der Farbton, den wir schlußendlich für den Anbau ausgesucht haben. Heute wird die Farbe gemischt. Im Lauf der Woche wird dann wohl der Anbau sanft erröten.
o
Heute morgen hat Herr Dinktoc auf der Baustelle den Trockenbauer und Deckentapezierer eingewiesen. Samstag waren wir noch im Baumarkt, Vliesraufaser und Kleister kaufen. Ich hätte die Tapetenrollen ja gerne fotografiert, aber am Freitagmittag hat sich der Bildchip der Digitalkamera verabschiedet. Seit gestern habe ich zum Glück wieder eine Knipse (leihweise vom Schwager, danke nochmal, Ch.!), sonst hätte es gar kein Foto der Farbproben gegeben (Foto: (c)Herr Dinktoc).
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Der Fensterbauer hat auch mal wieder gezuckt und mitgeteilt, dass die Jalousien am 11. Mai eingebaut werden. Also hat Herr Dinktoc heute auch dem Ordnungsamt der Gemeinde noch einen Besuch abgestattet, um eine Verlängerung unserer Standgenehmigung fürs Gerüst zu beantragen. (*wiiiiiiiiiiii-chr-chr-chr* - hören Sie den Amtsschimmel wiehern?)
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Wenn dann zügig das Gerüst abgebaut wird, sollte Mitte Mai das Haus von außen in endgültigem Glanze erstrahlen können.

Donnerstag, 22. April 2010

Rentenkontoklärung

Vor einiger Zeit erhielt ich einen dicken Brief der Bundesversicherungsanstalt. Man wollte mein Rentenkonto klären. Dazu lagen dem Brief ein sechsseitiger Fragebogen und etwa 10 Seiten Erläuterungen desselben bei. Nach dem dritten Durchlesen der Erläuterungen ("Hinweise zum Ausfüllen") sowie einem Schnellkurs in Amtsdeutsch fühlte ich mich in der Lage, den Fragebogen in Angriff zu nehmen.
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Auf jedem (!) Seitenkopf muss man Name und Rentenkontonummer eintragen. Der Fragebogen besteht aus einem großen Papierbogen, durch geschickte Faltung - vermutlich in zweimonatigen Wahlpflichtkursen auf der Verwaltungsfachhochschule erlernbar - auf DIN-A4-Format gebracht. Auseinandergefaltet schlängelt sich ein Ziehharmonikalindwurm vom Tisch auf den Fußboden. Warum also soll ich sechsmal meinen Namen eintragen, wenn es sich doch nur um ein einziges Stück Papier handelt??
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Gleich am Anfang wünschte man mein Geburtsdatum zu erfahren - TT.MM.JJJJ. Ich gab also pflichtgemäß die Zeit meines Eintritts in diese Welt bekannt und wunderte mich dann eine Seite weiter über Frage Nummer 9, die da lautete: "Sind Sie vor 1980 geboren?" Sah dann erst, dass Nummer 9 zu einem Fragenkomplex gehörte, den nur Einwohner des Beitrittsgebiets zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes vor dem 03. Oktober 1990, vulgo: Ossis, zu beantworten hatten. Da war ich Wessi aber froh.
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Dann gräbt man sich durch alte Akten und sucht Belege dafür, dass man Abitur gemacht (ab dem Monat des 17. Geburtstags wird einem der Schulbesuch nämlich nicht mehr geglaubt, man muss ihn nachweisen), studiert und ganz allgemein überhaupt existiert hat.
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Krönender Abschluss: irgendwann, so bei Frage Nr. 27, wenn die Konzentration schon nachläßt und man anfängt, darüber nachzudenken, ob man jetzt diesen elenden Fragebogen zu Ende ausfüllen oder sich doch lieber aus einem Kellerfenster stürzen soll, da steht dann auf dem Papier: "Sind Sie jemals als Rheinschiffer tätig gewesen?" Leider reichte der Platz im Antwortkästchen nicht aus für ein angemessenes: "Nein, aber ich bin schon mal auf der Mosel Tretboot gefahren!"

Dienstag, 26. Januar 2010

Der Herr vom Wasserwerk - der Groteske zweiter Teil

7.20 Uhr
Das Handy klingelt, es ist der Herr vom Wasserwerk: "Wir fahren jetzt los und sind in 20 Minuten da." Okay. Wir dann auch.
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7.35 Uhr
Wir sind auf der Baustelle. Noch kein Herr vom Wasserwerk zu sehen. Wir warten.
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7.40 Uhr
Warten. Kalte Füße.
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7.45 Uhr
Das Handy klingelt. Der Herr vom Wasserwerk will wissen, warum wir nicht zu Hause sind - ??? - Es stellt sich heraus, dass er zu unserer derzeitigen Wohnadresse gefahren ist. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, und der Unterschied zwischen Rechnungs- und Lieferanschrift ist doch auch nicht so schwer zu verstehen, oder?
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7.50 Uhr
Der Herr vom Wasserwerk ist endlich da. Die Kostenübernahmeerklärung wird uns vorgelegt. Auszufüllen sind: Name, Vorname, Adresse, Geburtsdatum, Personalausweisnummer (!). Dann die Unterschrift.
o
7.52 Uhr
Die Formalitäten sind erledigt. Der Herr vom Wasserwerk sieht sich tatsächlich in der Lage, die Arbeit alleine in Angriff zu nehmen, wir können uns in Richtung des eigenen Arbeitsplatzes auf die Socken machen.
o
Spaß mit dem Amt - unbezahlbar!

Montag, 25. Januar 2010

Der Herr vom Wasserwerk ...

... kommt heute nicht. Und warum nicht? Weil wir eine Kostenübernahmeerklärung für die neue Wasseruhr unterzeichnen müssen, bevor er das Gerät installieren kann. Könnte man uns die Kostenübernahmeerklärung dann bitte zufaxen, wir unterzeichnen, faxen sie zurück und schicken das Original per Post hinterher? Nein, das geht nicht. Warum nicht? Weil das noch nie ging. Aha. Es geht nur am lebenden Objekt (wie Herr Dinktoc sagte), und deshalb treffen wir morgen früh zwischen 7.30 und 8 Uhr den Herrn Wasserwerk auf der Baustelle, unterschreiben diesen Wisch und dann kann er die Wasseruhr austauschen. Und wir dürfen uns anschließend durch den Baustellenstau auf der A3 quälen (den wir sonst vermeiden, weil wir früh losfahren). Aber das ist ja nicht Herrn Wasserwerks Sache.

Montag, 7. Dezember 2009

Verschlüsselt

Diese kryptische Aufforderung fand sich in einem Parkhaus im schönen Frankfurt am Main. Was will mir der Parkhausbetreiber sagen? Ich war wirklich äußerst beunruhigt - man möchte doch schließlich nach Hause und also aus dem Parkhaus hinauskommen. Aber was ist "schlüsseln"??
Hier hilft ein Charakterzug des Rheinländers an sich: unverständliche Informationen ignorieren und mit heillosem Optimismus davon ausgehen, dass es auch so irgendwie klappen wird. Alles wird gut. Und siehe, alles wurde gut. Ich bin mit dem herkömmlichen Chip an den herkömmlichen Zahlautomaten gegangen und konnte ohne den mir gänzlich unbekannten Schlüsselungsvorgang, aber mit meinem Auto, die gastliche Stätte verlassen.
Hiermit möchte ich noch dem Parkhausbetreiber ausdrücklich danken, dass er mir diesen Blogeintrag ermöglicht hat!