Mittwoch, 11. Dezember 2013

Wie Gott im Elsaß

Man muss nur einen kennen, der einen kennt, der weiß, wo man - für wenig Geld - hervorragend essen kann, mitsamt Übernachtung und Frühstück am nächsten Morgen.

So kamen wir zu einem Wochenende in Frankreich. Familie K. vom Stammtisch kennt einen, der regelmäßig ein Restaurant in Woerth im Elsaß besucht, fuhr angeregt von dessen Schwärmerei selber hin und kam genauso schwärmend wieder zurück. Als der Stammtisch vor ein paar Wochen mal wieder zusammensaß, schwärmten sie so laut und ausdauernd, dass acht Leute, Familie K. inklusive, spontan beschlossen, sich an einem der Adventswochenenden gemeinsam der Völlerei hinzugeben. Gesagt - gebucht. Letzten Samstag ging's los.

Das Hotel-Restaurant "La Chaumiere" in Woerth wirkt von außen unscheinbar, fast ein bisschen schäbig. Die Gästezimmer sind wunderbar altmodisch, schätzungsweise etwa 1965 zuletzt renoviert. Sie verfügen immerhin über eine Waschgelegenheit mit fließend kalt und warm Wasser (in getrennten Hähnen). Familie Dinktocs Raum hatte eine blaugrüne Blümchentapete, einen riesigen Kleiderschrank, in dem man mühelos nicht nur einen, sondern etwa 3-4 Liebhaber hätte verstecken können (ich erwähne das natürlich nur theoretisch, um die Dimension des Schranks zu verdeutlichen!) und ein Bett mit einer dieser gesteppten, mit Rüschen versehenen Nylon-Tagesdecken in Creméweiß samt passenden Zierkissen. Toilette und Dusche befinden sich auf dem Flur und sind nicht geheizt. Man kommt erst gar nicht auf die Idee, eine Zeitung mit aufs Klo zu nehmen oder gar ein Smartphone. Überhaupt, für einen Internetmenschen ist das Hotel quasi nicht existent. Keine Website, und von W-Lan hat man offenbar noch niemals gehört.

Der Restaurantraum ist riesig groß und eingerichtet wie ein großbürgerliches Wohnzimmer der 1960er Jahre, mit Teppichen, Vorhängen und hochlehnigen Stühlen mit bestickten Polstern. Die Tische sind mit Leinentischdecken, Stoffservietten sowie einem Sammelsurium von Gläsern und Bestecken liebevoll gedeckt und irgendwie wirkt das Ganze sehr stimmig, obwohl diverse Jahrzehnte verschiedener Dekorationsmoden zusammenkommen.     

Herz und Hirn des Ganzen ist Madame Waechter, eine Dame, auf die diese Bezeichnung wirklich passt. Sie muss annähernd 80 Jahre alt sein, hat aber den Laden voll im Griff, kennt ihre Weinkarte in- und auswendig und weiß ihre Gäste sehr gut einzuschätzen. Ihre Empfehlungen waren durchweg hervorragend.  



Pünktlich um 19 Uhr begann das Gelage. Als erstes machten wir eine Flasche Crémant auf, eiskalt und staubtrocken. Der hat sogar mir geschmeckt, die sonst ihren Jahresbedarf an alkoholischem Blubberwasser mit dem einen obligatorischem Schluck Sekt in der Silvesternacht deckt. Und dann ging's auch schon los mit dem Gruß aus der Küche: warmes, knuspriges Brot mit leicht gedünsteten Apfelstückchen und einer Scheibe Blutwurst. Gerade als der solcherart appetitangeregte Magen zu knurren beginnen wollte, kam der erste Gang:  


Hausgemachte Leberpastete mit Quitten-Mandel-Mousse, dazu Gewürztraminer. Das anschließende Gemüsesüppchen wurde von einem weißen Cote du Rhone begleitet. Dem folgte der Fischgang - Ravioli mit Kabeljau- und Lachsfüllung in einer Dillsoße, die so gut war, dass wir extra Brot bestellten, um sie bis zum letzten Tropfen auftunken zu können. Fisch muss schwimmen, und so musste eine Flasche Elsässer Riesling dran glauben. Nach dem Fisch stellte sich ein erstes leises Sättigungsgefühl ein. Dem begegnete der vierte Gang: ungefähr drei Teelöffel voll Zitronensorbet mit Rum und Minze, schön kühl und irgendwie Platz schaffend für die nächste Runde.

Voilá! Kalbsrücken mit Pilzen, lecker Sößchen und Herbstgemüsen. Dazu natürlich einen Rotwein, wieder ein Cote du Rhone. Damit waren wir nun eigentlich wirklich völlig gesättigt, aber ein Gang musste noch rein: le dessert. Ein Gedicht aus Blätterteig mit hauchdünnen Apfelscheiben, Vanilleeis und Karamelsauce.
Zum Magenaufräumen gab es Espresso und Mirabellenbrand und dann fielen wir auch schon erschöpft in die Betten, nachdem wir vier Stunden getafelt hatten.



Fazit: Fahret zahlreich hin und sorgt dafür, dass es das Angebot noch lange gibt. 60 EUR pro Nase für dieses gigantisch gute 6-Gänge-Menü, Übernachtung und üppiges Frühstück. Getränke gehen extra und beliefen sich bei uns auf 21 EUR / Person, und das für die Vernichtung von 1 Flasche Sekt, vier Flaschen Wein, 6 Flaschen Wasser, diversen Schnäpsen und Espressi.

Mittwoch, 20. November 2013

Jahresendzeitstimmung

Ein Bekannter erzählt, seine Firma richte keine Weihnachtsfeier mehr aus, sondern eine "Jahresendfeier". Die Umbenennung soll angeblich der Integration nicht-christlicher Menschen dienen. 

Diese Art vorgeblicher politischer Korrektheit finde ich, mit Verlaub: Kacke! 

Bei uns in der Firma arbeiten Leute aus fast 30 Nationen, und ich habe noch keinen chinesischen oder algerischen Kollegen sich beschweren hören, dass hier, im Büro in Deutschland, nach wie vor eine Weihnachtsfeier stattfindet. Die Büros in Jeddah, Moskau und Neu-Delhi arbeiten während der westeuropäischen Weihnachtszeit, und deutsche Kollegen vor Ort arbeiten mit. Dafür haben sie am orthodoxen Weihnachtsfest, am Opferfest, an Divali frei.

Ins Ausland entsandte Kollegen haben die vor Ort üblichen Arbeitszeiten und Feiertage. Das ist hier seit Jahrzehnten Usus, einfach, weil es am praktischsten ist und weil es eben auch eine Respektsbezeugung ist, im Ausland die dortigen Feste mitzufeiern und sich am lokalen Brauchtum zu beteiligen.

Wenn ich hier kurz vor Weihnachten selbstgebackene Plätzchen und kleine Schokonikoläuse in die Firma mitbringe, freut sich der irakische Kollege darüber genauso wie der französische. Oder soll ich dem türkischen Kollegen keinen Schokoweihnachtsmann anbieten, bloß weil er den eventuell als christliches Symbol verstehen könnte? Und was ist mit dem deutschen Atheisten, der aber trotzdem gerne Schokolade isst?

Warum beschneiden wir uns selber unserer Buntheit? Integration bedeutet doch wohl nicht, alle Farben solange auszuwaschen, bis nur noch ein labberiges Einheitsgrau übrig ist, ein fades, nichtssagendes, bedeutungsloses Etwas, mit dem sich niemand mehr identifizieren kann.

Außerdem stellt sich mit dem Begriff "Jahresendfeier" die politische Korrektheit geradezu selbst ein Bein: Das Jahr geht zu Ende, ja: in der westlichen Welt. Das Jahr 1435 islamischer Zeitrechnung hat vor zwei Wochen angefangen; das Jahr 5774 der jüdischen Zeitrechnung begann dieses Jahr an unserem 4. September. Das chinesische Neujahr findet am 31. Januar 2014 christlicher Zeitrechnung statt, das kurdische Neujahr fällt auf die Tag-und-Nachtgleiche im Frühjahr. Diese Eurozentrik grenzt an Neo-Kolonialismus und ist umso schlimmer, da sie im Mäntelchen der politischen Korrektheit daherkommt.

Um mich wieder zu beruhigen, werde ich jetzt Jahresendplätzchen backen.

Mittwoch, 13. November 2013

Anruf aus Merkwürdistan

Da kommt man Sonntagabend aus dem Urlaub und findet auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht des Tierheims: "... es geht um Ihren Kater Leopold, den Sie vor einiger Zeit [vor fast 3 Jahren!] von uns übernommen haben. Keine Sorge, nichts Schlimmes, bitte mal zurückrufen."

Man macht sich natürlich trotzdem Sorgen und ruft am Montagmorgen im Tierheim an. Es stellt sich heraus, dass sich vor kurzem der Vorbesitzer des Herrn Leopold gemeldet hat, und es wäre ihm ja klar, dass der Kater ein neues Zuhause hat, und er wolle ihn ja gar nicht zurück, aber seine Tochter würde das Tier ja so vermissen und würde Leopold so gerne noch einmal sehen, um sich zu verabschieden. Dieser Mensch hat so lange auf die Tierheimdame eingeredet, bis sie zugesagt hat, bei uns nachzufragen, ob wir damit einverstanden wären.

Sind wir nicht.

Was ist das für eine merkwürdige Anfrage? Nach fast 3 Jahren, in Worten DREI JAHREN, die Leopold schon bei uns ist, fällt dem Menschen ein, mal beim Tierheim nachzufragen? Der Kater wurde seinerzeit in Mainz auf der Straße gefunden und ins Tierheim gebracht, wo er mehrere Wochen (!) saß, bis wir ihn adoptierten (oder eher: er uns, aber das ist eine andere Geschichte). Wenn die Tochter ihren Kater so vermisste - was ich ja nachvollziehen kann - warum hat der Vater damals nicht das Naheliegendste getan und die Tierheime der Umgebung abtelefoniert?

Für die Tochter tut's mir schon ein bisschen leid, aber ich möchte einfach meine Telefonnummer und Adresse nicht an solch seltsame Menschen geben. Meine Befürchtung (und auch die der Tierheimdame, das war zwischen den Zeilen zu hören) ist, dass wir dann zukünftig jede Woche mit einem Anruf rechnen müssten, ob es dem Leopold denn wirklich gut geht und ob man ihn nicht mal wieder besuchen darf und ob und ob und was weiß ich. Will ich nicht.

Wie seht ihr das?

Samstag, 26. Oktober 2013

Der Mörder ist immer der Gärtner

Oder auch nicht.
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Jedenfalls nicht am letzten Wochenende, als sich das Literaturkränzchen aufmachte, in der gefährlichen, wilden Eifel auf Mörderjagd zu gehen. Vor einiger Zeit hatte Frau O. einen runden Geburtstag zu feiern und bekam als Gemeinschaftsgeschenk diese Mörderjagd anverehrt, im Rahmen eines Wochenendes im Krimihotel in Hillesheim, mit gutem Essen und die geistige Leistung unterstützenden Getränken.
 

 
So eine mörderische Aufgabe kann man nicht alleine angehen, und daher "opferten" die beiden anderen Damen des Literaturkränzchens vollkommen uneigennützig ein Wochenende und fuhren mit Frau O. nach Hillesheim. Bereits die Anreise trainierte ein wenig den detektivischen Spürsinn, denn wegen diverser gesperrter Autobahnabfahrten musste ungeplant quer durchs Eifelland "über die Dörfer" gesteuert werden. Das klappte problemlos: ein gutes Omen also für den nächsten, kriminalistisch anspruchsvollen Tag.
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Die Zimmer im Hotel sind höchst individuell eingerichtet, jeweils nach einem Krimithema. Der Raum, den ich mit Frau K. teilte, hieß "Der Tod auf dem Nil" und verfügte folgerichtig über ein Riesenbild mit einem grübelnden Hercule Poirot vor den Pyramiden und einen echt kolonial-britischen Tropenhelm an einer Garderobe aus Rattan. Nur der bedruckte Duschvorhang erinnerte weniger an Agatha Christie als an Alfred Hitchcock ...
 
 
Frau O. wohnte im "Schwedenkrimi"-Zimmer mit Plüschelch-Jagdtrophäe überm Bett, Filmplakaten mit dem Bild von Stieg Larssons Lisbeth Salander an der Wand und einem Fensterrollo, das eine nordische Landschaft hinter Gitterstäben zeigte. Eine schwedische Gardine also.
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Auf einem kleinen Rundgang durchs Städtchen entdeckten wir eine imposante Burgruine, nette kleine Läden und zahlreiche Hinweise auf den Status Hillesheims als "deutsche Krimihauptstadt". Im Kriminalhaus beispielsweise könnte man ganze Tage verbringen - gemütliches Café und Bibliothek unter einem Dach. Bis man sich durch die ca. 27.000 Bücher gelesen hat, muss man eine Menge Kaffee konsumiert haben.



Das Zentrum des Verbrechens war Hillesheim in der Tat am Samstag ab 10 Uhr. Pünktlich wurde der Mord begangen (der, wie sich herausstellte, nur die Folge eines anderen Mordes war), und die Ermittlungen kamen in Gang. Den ganzen Tag waren diverse Grüppchen von Leuten damit beschäftigt, Zeugen, Verdächtige und verdächtige Zeugen zu befragen, Akten zu lesen und Tatortfundstücke zu begutachten. Aus alldem wurden Theorien entwickelt, heftig diskutiert, wieder verworfen und neu entwickelt. Frau O., Frau K. und ich hatten gegen Mittag eine Arbeitshypothese aufgestellt, wie die beiden Morde zusammenhingen und wer sie begangen hatte. Nach der Mittagspause nahmen wir nochmalige Zeugenbefragungen vor zwecks Verifizierung bzw. Widerlegung unserer Hypothese. Wir waren uns schon ziemlich sicher, wer es war, aber das entscheidende, stützende Indiz entdeckte Frau O.: einen Ring, den Opfer Nr. 1 auf einem Bild an seiner Halskette trug und der jetzt am Finger unseres Lieblingsverdächtigen steckte. Der war tatsächlich der Mörder, und wir ernannten Frau O. zu unserer Kriminalhaupt- und Höchstkommissarin. Das musste natürlich angemessen gefeiert werden: abends stießen wir mit Rotwein (Frau K.), Weizen (Frau O.) und Kölsch (ich) an. Aber nicht zu heftig, schließlich wollten wir unsere fünf Sinne beieinanderhalten, damit das alte Filmplakat im Hotelflur nicht noch Wirklichkeit würde:

 
Fazit: ein sehr gelungenes Wochenende mit Denksportaufgabe, sehr gutem Essen, megageilem Wetter (Glück gehabt!) und jeder Menge Spaß. Hillesheim, wir kommen wieder!


 

Freitag, 9. August 2013

Erstbesteigung

Heute morgen um Sieben, ich war gerade aufgestanden, hörte ich Madame La Katz maunzen, im Takt wie ein Metronom. Das macht sie manchmal, wenn sie sich selbst Mut zusprechen will. Und tatsächlich, plötzlich tauchte sie am oberen Ende der Treppe auf. Genau zwei Monate hat Ihro Zickenhoheit das niedliche, ängstliche Kätzchen gebraucht, um sich über den neuen Treppenbelag nach oben zu trauen. In Flur, Ankleide und Bad wurde sodann alles besehen, beschnuppert und misstrauisch geprüft, ob wir eventuell - was Katzfuzius verhüten möge - ein Möbelstück verrückt oder sogar - um Bastets Willen - Katze Monas Schlafkissen anzufassen gewagt hätten.
Mit Spannung harrte ich dem Urteil Ihrer Hoheit und war sehr erleichtert, als die Prinzessin alles in Ordnung fand.
"Du darfst mich jetzt streicheln. Aber nur kurz, ich will nämlich mein Frühstück haben!"

Mittwoch, 7. August 2013

Was lange währt, wird endlich Terrasse

Vor unserer Küche befindet sich eine winzige Terrasse - nicht mehr als 5 qm groß. Als seinerzeit beim Umbau die Hauswände gedämmt wurden, bekam die Terrasse einen abdichtenden Belag aus "Elefantenhaut", und mehr wurde nicht gemacht. 

Aber im Rahmen der diesjährigen Hausbauwochen wurde der Bauarbeiterdreikampf Treppenbelag - Geländer - Terrassenbelag ausgerufen. Vergangene Woche war als letztes eben die Terrasse dran. 

Das "Vorher"-Bild zeigt die Elefantenhaut und schon die erste angeschraubte Holzlatte vom Unterbau: 


Ein geübter Schreiner macht schon was aus: der Mann hatte ruckzuck den ganzen Unterbau installiert und schneller, als ich gucken (und fotografieren) konnte, eine Aluplatte draufgeschraubt und darauf eine doppelte Dichtungsschicht geklebt.



Auf die wiederum kam dann der "Endbelag": Steingranulat in hellgrau mit ein paar rötlichen Einsprengseln. Die Abschlusskanten wurden einfach an die Wand geklebt und mit Silikon abgedichtet, und nach nur einem Tag Arbeit war die Terrasse fertig.


Ist richtig schön geworden und inzwischen auch eingeweiht durch ausgiebige Wochenend-Terrassen-Frühstücke und Zeitungsleseorgien. Heute vor 3 Jahren war unser Umzugstag, und jetzt endlich sind die Arbeiten im und direkt am Haus geschafft.


Bitte schalten Sie auch nächstes Jahr wieder ein, wenn es heißt: Hof- und Gartengestaltung! 

Mittwoch, 3. Juli 2013

Eintracht


Ich könnte ja jetzt behaupten, dass die beiden immer so einträchtiglich nebeneinander hocken, aber das wäre gelogen. Im Gegenteil, dieses Bild ungetrübter Zweisamkeit musste ich sofort fotografisch festhalten, denn es ist - leider - eher ungewöhnlich und entstand, weil die Stubentiger sich versammelt hatten, um mit strengen Blicken ihr Abendessen zu reklamieren.  

Dienstag, 2. Juli 2013

Sommerwandertag

Seit Februar haben wir den monatlichen Wandertag  sträflich vernachlässigt. Irgendwas war ja immer: im März fiel der Wandersonntag auf Ostern, da mussten alle absagen wegen allfälliger Familienfeiern. Im April war die Wanderung schon geplant; Treffpunkt, Fahrgemeinschaften und Picknick organisiert - und dann haben wir es im letzten Moment abgeblasen, weil das Wetter so dermaßen übel war, dass auch der hartgesottenste Wanderjunkie keine Lust auf Fußmärsche hatte. Im Mai war der eine im Urlaub, der nächste hatte Rücken und der dritte bereitete einen Umzug vor. Plötzlich war es Juni, und wieder waren die meisten verhindert, aber immerhin haben es vier wanderwillige Stammtischangehörige geschafft, eine Route zu finden, die Wanderschuhe einzupacken und Sonntagmorgen in den Odenwald zu fahren. 
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Drei Tage vor dem Wandersonntag kam ich auf die glorreiche Idee, des Herrn Pathologen Lust zum Mitwandern zu erfragen - schließlich wohnt er mehr oder weniger um die Ecke - und siehe: er war willens und bereit, sogar zusammen mit Tochter, die 12 km in Angriff zu nehmen.


Das war ein perfekter Sonntag: 20 Grad, leichter Wind, Sonne, wunderbare Landschaft, ein abwechslungsreicher Weg durch Wald und Feld, das Ganze in netter Gesellschaft. Hinterher noch eine Einkehr in einen alten Dorfgasthof mit schön begrüntem Innenhof.
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Die monatelange Wanderpause merke ich übrigens schon: in den Oberschenkeln zwickt und zwackt die Muskelkatze; und nach dem Abendessen versank ich recht schnell in ein ziemliches Sofakoma, aus dem ich nur hochkam, um endgültig ins Bett zu kriechen.

Montag, 1. Juli 2013

Treppenhaus is fertisch

Am Freitagmorgen, überpünktlich bereits um 7.30 Uhr, standen die Handwerker vor der Tür, um den noch fehlenden Handlauf an der Treppe anzubringen. Es sieht zwar nicht so aus, aber es war recht knifflige Kleinarbeit mit Schweißen, hier und da ein wenig Nachfeilen und hinterher gründlich polieren - insgesamt etwa 6 Stunden Arbeit!


Dafür ist es aber so schön geworden, wie wir es erhofft hatten. Und der Herr Leopold, der während der Arbeiten ziemlich unsichtbar war, denn das zischende Schweißgerät und der brummende Industriestaubsauger waren ihm nicht geheuer, war natürlich der Erste, als es darum ging, die fertige Arbeit zu inspizieren.


Nur Madame Katze weigert sich immer noch, die Treppe zu betreten. Ich vermute, sie testet heimlich nachts die ersten Stufen, um uns dann so etwa in drei Wochen mit ihrem plötzlichen und höchst unerwarteten Auftauchen im Schlafzimmer zu erschrecken.

Dienstag, 18. Juni 2013

Tripp trapp, die Treppe

Die Treppe vom Erdgeschoß in den ersten Stock drohte beinahe zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Genauer: der Treppenbelag. Herr Dinktoc und ich pflegen in unserer Ehe ein seltsames Ritual: wann immer es um größere Anschaffungen geht, sind wir uns entweder sofort einig, was wir wollen - oder es dauert e-w-i-g, bis wir einen Kompromiss gefunden haben.
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Die Auswahl des Treppenbelags fiel in die zweite Kategorie. Als wir seinerzeit das Haus umbauten, schoben wir den Innenausbau des Treppenhauses erst mal auf, bis die Zahlen auf dem Konto wieder etwas freundlicher aussehen würden. Gut ein Jahr nach unserem Einzug wurde dann der Innenputz und Tapete angebracht und die Kellertreppe gefliest. Das ist jetzt auch schon fast zwei Jahre her, die wir phasenweise damit verbrachten, uns über mögliche bzw. unmögliche Treppenbeläge zu streiten.
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In diesem Frühjahr fanden wir dann endlich auf einer Baufachmesse einen Bodenbelag, mit dem wir beide einverstanden waren: ein graues Vinyl, das ein wenig wie Laminat aussieht, aber eine deutlich rauhere Oberflächenstruktur hat. Diese Rutschhemmung war uns wichtig, da wir erstens eingefleischte Socken- und Barfußläufer sind und zweitens ein arthrosegeplagtes Katzentier haben, das ebenfalls Griffigkeit unter den Pfoten benötigt.
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Letzten Montag rückte dann der Monteur an, brachte mit Spanplatten den notwendigen Höhenausgleich zuwege und sägte und klebte wie ein Weltmeister. Mittwochmittag war er, genau nach Plan, fertig mit der ganzen Chose.

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Dann riefen wir den Schlosser wegen des Geländers an. Dieses war übrigens ein Fall - siehe oben -der ersten Kategorie: auf der Messe gesehen, den Gatten angeblickt, gegenseitig zugenickt, fertig. Praktischerweise  kommt der Schlosser aus unserem Ort. Die Geländerteile wurde nach Katalog bestellt, der Schlosser kam zum Ausmessen und hat die Teile dann für unser Treppenhaus angepasst.
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Leider erzählte er uns am Mittwoch, er könne nun doch nicht wie geplant am Donnerstag kommen, denn sein Geselle sei erkrankt und allein könne er das nicht machen. Unser Jammern über die Aussicht auf zwei Wochen ohne Geländer (und somit ein ziemlich tiefes Loch bis in den Keller) bewogen ihn dann aber, seinen Gesellen anzurufen und nach dessen Selbsterklärung, am Samstag wieder gesund zu sein, anzubieten, dann eben samstags zu uns zu kommen und das Geländer zu montieren. Gesagt, getan, und dafür standen wir Samstag sogar freiwillig um halb sieben auf. Samstagmittag um halb eins war das Geländer festgeschweißt und -geschraubt. Nur der Handlauf fehlt noch, der bedarf noch einiger individueller Anpassungsmaßnahmen und wird dann in zwei Wochen angebracht.
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Unsere Urlaubswoche haben wir allerdings nicht nur damit verbracht, dem Handwerker bei der Arbeit zuzusehen, sondern selber lauter Dinge erledigt, die man so gerne aufschiebt, weil sie ein normales Wochenende unzulässig verkürzen würden: Keller aufräumen, Küche generalreinigen, Badschrank ausmisten, Unkraut aus den Fugen im Hof kratzen, Garage aufräumen, alle Fenster putzen. Es war ein ganz ordentliches Sportprogramm, aber ich bin froh, dass all diese Arbeiten nun auch endlich mal wieder erledigt sind!
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Das arthrosekranke und davon abgesehen auch ziemlich neurotische prinzessinnenhafte Katz übrigens weigert sich noch, den neuen Treppenbelag zu betreten. Das ist nicht mehr ihre Treppe, und überhaupt sind wir alle doof. Madame hat ihren Hauptwohnsitz jetzt im Wohnzimmer aufgeschlagen und nimmt übel. Ich bin gespannt, wie lange sie braucht, bis sie sich nach oben traut.
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