Donnerstag, 2. August 2012

Sex and the Garden

Beim zwölfigsten (ich hab den Überblick verloren) Literaturkränzchen erschlossen sich vorher völlig unvermutete Zusammenhänge von Telefonsex und Gartenarbeit.

Die Büchertanten trafen sich diesmal bei Frau K., der erst einmal ausgiebig Zuspruch geleistet wurde, war sie doch vor etwa zwei Wochen mit dem Fahrrad gestürzt und hatte sich den linken Arm gebrochen sowie das linke Handgelenk angeknackst. Natürlich kann und darf sie mit der linken Hand nun gar nichts tun, und sie nutzte dafür ausgiebig die rechte Hand, um gestenreich von ihrem derzeitigen zwangsentschleunigten Lebenswandel zu erzählen und dem Trick, wie man mit nur einer Hand eine Hose anzieht (zuallererst legt man die engen Hosen beiseite und entscheidet sich für ein etwas bequemeres Modell, zieht die Hose mit einer Hand bis über den Hintern, legt sich dann flach auf den Boden, klebt mit einem Pflasterstreifen die Knopflochseite des Hosenbunds auf den Bauch und kann dann den Reißverschluss hochziehen und den Knopf schließen. Das mit dem Pflaster finde ich übrigens eine geniale Idee!). Auch dass es mit halb so vielen Händen wie normal ungefähr viermal so lange dauert, Wäsche aufzuhängen, blieb nicht unerwähnt, ebenso die Tatsache, dass Frau K.s Gemüsebeet momentan eher ein Vogelmierebeet ist.

Nach solcherart Bulletins sprachen wir - o Wunder - über Bücher. Frau O. liest sich zur Zeit durch die Krimireihe mit Dr. Siri als Ermittler und äußerte sich so angetan, dass ich die Bücher auf meine virtuelle Leseliste gesetzt habe, Frau K. hat gerade einen Krimi mit indischem Privatdetektiv, der in Delhi ermittelt, ausgelesen (ich wünschte, ich könnte mich an den Titel erinnern, aber ich bin eine alte Schabracke über vierzig und weiß es nicht mehr), und ich habe den Damen den Autor Matt Beynon Rees ans Herz gelegt, dessen Buch "Der Verräter von Bethlehem" mich als Krimi zwar nicht vom Hocker reisst, aber der es schafft, schon auf den ersten 20 Seiten ein so farbiges Bild der vielen Gruppen und Grüppchen - israelische Armee, Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft, alteingesessene Bethelemer aller Glaubensrichtungen, palästinensische Flüchtlinge, christliche Araber, Islamisten, gewöhnliche Kriegsgewinnler - und ihrer widerstreitenden Interessen zu zeichnen, dass es ein ganzes Seminar zur Nahostpolitik ersetzen könnte. Bei Frau K. rannte ich da offene Türen ein, ein Griff ins Bücherregal, und sie drückte mir Band 2 der Reihe in die Hand. Der spielt in Gaza, und ich bin gespannt.

Irgendwie kamen wir über Hörbücher zu Krimiverfilmungen zum aktuellen Fernsehprogramm. Frau O. berichtete, am Vortag zufällig in den Film "Süperseks" über eine türkische Telefonsexhotline gezappt zu haben, den sie sehr schätzt und dann naürlich auch wieder geguckt hat. Die Schilderung einiger Filmszenen löste wiederum bei Frau K. einen Geistesblitz aus: wenn sie wieder fit und endlich die überfällige Gartenarbeit zu erledigen in der Lage sei, könne sie dabei doch mit einem Nebenjob als Telefonsexerin ein bisschen Geld verdienen, schließlich sei doch Gartenarbeit sehr inspirierend: Spaten in den Boden stechen ("tiefer! tiefer!"), ständig bücken zum Unkraut jäten ("ouuuuueeh! stöhn! uuuuuh!!!") und schließlich Möhren und Kartoffeln ernten ("Komm schon, du Drecksstück!").

Ich sag Ihnen, man macht was mit, bei solchen Kränzchenschwestern.

Kommentare:

  1. Liebe Frau Dinktoc,

    eine kleine Korrektur. Ich war es, die den indischen Krimi " Die verschwundene Dienerin, ein Fall für Vish Puri" von Tarquin Hall gelesen habe. So hast du jetzt die fehlenden Angaben ;-) Die Vorstellung von Frau K. bei der Gartenarbeit...ganz allerliebst!

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  2. Aha. Oh. Ich sollte bei den Kränzchen Protokoll führen. Wie gut, dass sich immer jeder an was anderes erinnert, im besten Fall kriegt man so einen ganzen Abend rekonstruiert!

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  3. Warum warten bis sie fit ist? Auch mit einem Arm kann man trefflich telefonieren und einen Anruf annehmen. Die Stimme und Phantasie scheinen bei dem Sturz ja nicht gelitten zu haben.

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  4. Briederchen, im Prinzip ja, aber es fehlt die Tiefe Inspiration dann.

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