Dienstag, 7. Februar 2012

Halt! Who comes there?

Im kommenden Sommer werden Herr Dinktoc und ich mal wieder unsere Anglophilie pflegen und in England Urlaub machen. Ein langes Wochenende in London, inklusive Party zum Diamond Jubilee der Queen,  und dann einige Tage quer durch Südostengland, um Homes & Gardens, Burgen, Landschaften, Museumseisenbahnen etc. etc. zu besichtigen. Wie üblich hat jeder von uns so viele Programmpunkte aufgelistet, dass man mindestens einen Monat Urlaub bräuchte, um alles anzuschauen. Die Debatten über Prioritäten und die Festlegung der endgültigen Route werden uns noch eine Weile in Atem halten, aber das steigert erfahrungsgemäß unsere Vorfreude deutlich mehr, als es die Buchung einer vorgefertigten Pauschalreise jemals könnte.
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Ein Programmpunkt ist allerdings schon festgelegt:


Die "Ceremony of the Keys" im Tower of London. Ein uralter Brauch, mit dem jeden Abend zeremoniell der Tower abgeschlossen wird. Der Eintritt ist sogar frei - eher ungewöhnlich im teuren London - man muss sich nur rechtzeitig vorher anmelden, was mir bei früheren London-Besuchen nicht gelungen war. Die Anmeldung gleicht nämlich auch einer uralten Zeremonie, will heißen, sie läuft völlig analog ab. Nix mit Online-Buchung, nein, man schreibt einen Brief (auf Papier! leserlich!) an das "Ceremony of the Keys Office", gibt zwei mögliche Daten an, unter Nennung des bevorzugten Tages, und muss nicht nur die Anzahl, sondern auch die Namen der Personen mitteilen.
Dem Brief legt man einen frankierten Rückumschlag bei. Nun kann man in Deutschland keine englischen Briefmarken kaufen, aber das Ceremony of the Keys Office weist freundlicherweise darauf hin, dass man ja internationale Postwertzeichengutscheine beilegen könne, zu bekommen bei Postämtern (aber nicht bei Postagenturen!). Zum Glück habe ich einen englischen Kollegen, der aus irgendeinem Grund einen Fundus an englischen Briefmarken vorrätig hat und gewillt war, mir eine 68p-Marke zu überlassen.
Vor knapp zwei Wochen habe ich dann den Brief geschrieben, und gestern war das Ticket da. Zusammen mit einem Hinweisblatt, das in wunderbar gepflegtem Englisch mitteilt, was uns erwartet: "Visitors will be admitted to the Tower of London under escort, via the West Gate, at 9.30 pm precisely. Late arrivals will not be admitted. The Ceremony will conclude at 10.05 pm after which all visitors will be escorted to the exit."
Das ist doch herrlich, ist es nicht? Ich freue mich sehr darauf.

Kommentare:

  1. Weniger die Schlüsselszene dieses Besuchs als eher die Museumseisenbahnen reizten mich. Obgleich, in Schottland fährt doch noch dampfbespannter Regelbetrieb, isn't it?

    (Kämpfe gerade mit dem Visaantrag für Ehegatten eines EU-Bürgers zum Besuche Großbritanniens)

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  2. Soweit ich weiß, sind auch in Schottland keine Dampfzüge mehr im Regelbetrieb. Die Trennlinie zur monatelang nach Fahrplan betriebenen Museumseisenbahn ist aber wohl eher fließend, zumindest für den Touristen.

    Die fragliche Ehegattin des EU-Bürgers verfügt doch über eine Commonwealth-Staatsbürgerschaft, oder? Erleichtert oder erschwert das das Antragsverfahren?

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  3. Naja, mal sehen ob der Schlüssel gemopst wird und dann für den umgehenden Raubzug genutzt wird :-)

    However, den Tower besuchen ist schon fein und dann mit dieser Zeremonienshow... bin mal gespannt... auch ob wir "Sauerkrauts" wirklich reingelassen werden.

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  4. Die fragliche Ehegattin ist Einwohnerin eines Landes, welches 1960 offiziell in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Seit dem (und seit den herrschenden Vorurteilen bezüglich Vorschussbetrug - in Südafrika sind die meisten Kriminellen Ausländer Nigerianer) ist das Erlangen eines Visums und die Möglichkeit, ins weiter entfernte Ausland zu reisen, eines der Hauptziele im Leben eines solchen Einwohners. Besonders beliebt sind dabei USA, UK und die Schengenstaaten, da das Erhalten jener Visen schwieriger ist als beispielsweise für China oder Indien. Und gerade UK macht momentan die Schotten dicht.

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    1. Wenn die Schotten dicht sind, könnte man dann nicht die Waliser benutzen? ;-)
      Viel Erfolg. Ich kenne das Drama. Allerdings in Bezug auf good old Germany.

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    2. Das Visum für Deutschland, beziehungsweise die Aufenthaltsgenehmigung, ging nur durch einen genetischen Trick.
      Allerdings muss ich auch anmerken, dass deutsche Auslandsvertretungen sehr unterschiedlich in der Handhabe der Vergabe von Visa sein können. Wir haben da Erfahrungen von beiden Seiten gemacht, langfristige und schwierige Beantragungen mit 90-Tage-Visum wie auch 10-Minuten-Besuche mit anschließendem Visum über zweieinhalb Jahre.

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